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Bücherschau

Zeitungsleser – Weltentdecker

Klaus Schröder über den planmäßigen Einsatz von Tageszeitungen im Unterricht

Das Lüneburger Projekt fördert die Lesekompetenz und Lesemotivation von Schülerinnen und Schülern durch den planmäßigen Einsatz von Tageszeitungen im Unterricht.

„Zeitungsleser – Weltentdecker“ ist ein Projekt der Leuphana Universität Lüneburg gemeinsam mit der Lüneburger Landeszeitung (LZ) und dem Netzwerk Leseförderung Lüneburg. Ziel ist die Förderung von Lesekompetenz und -motivation mithilfe der Tageszeitung. Zeitungsprojekte mit Schulen erfreuen sich landesweit großer Beliebtheit und werden regelmäßig an verschiedenen Orten in Zusammenarbeit zwischen Tageszeitungen und Schulen durchgeführt. Prominentes Beispiel ist „Zisch“ (Zeitung in der Schule) – ein Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche an das Medium Zeitung herangeführt werden. Sie bekommen einen Einblick in die tägliche Arbeit einer Journalistin oder eines Journalisten und dürfen die Zeitung mit ihren Beiträgen gestalten. Jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst startet Zisch einen neuen Durchgang.

Lesekompetenz und -motivation
Das Lüneburger Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ unterscheidet sich in einigen Punkten von derartigen Projekten: Zielgruppe des Lüneburger Projekts sind insbesondere Schülerinnen und Schüler mit mangelhafter Lesekompetenz und – häufig damit einhergehend – Lesemotivation, also Förder- und HauptschülerInnen. Die Teilnahme von Gymnasialklassen ist ausdrücklich nicht erwünscht. Dies erklärt sich aus der Entstehung und Zielrichtung des Projektes, wurde es doch vor zehn Jahren von Christine Garbe (damals Universität Lüneburg, jetzt Köln) als Reaktion auf den „PISA-Schock“ ins Leben gerufen. Hauptziel war und ist die Leseförderung von Schülerinnen und Schülern der „PISA-Risikogruppe“ – also Jugendlichen mit geringer Lesekompetenz – mit Hilfe der Tageszeitung. Inspiriert von Erfahrungen aus Finnland erhoffte sich Garbe durch den planmäßigen Einsatz von Tageszeitungen im Unterricht die Vermittlung von neuer Lesemotivation und damit auch Lesekompetenz.

Das Projekt findet jährlich im Frühjahr statt und startet 2017 bereits den 10. Durchgang. Für die Dauer von fünf Wochen erhalten angemeldete Schulklassen aus Lüneburg und Umgebung täglich gratis Klassensätze der aktuellen Tageszeitung LZ (Landeszeitung für die Lüneburger Heide) morgens in ihre Schule geliefert. In der Regel nehmen jährlich etwa 20 Schulklassen mit circa 600 Schülerinnen und Schülern teil; bisher haben über 5.000 Schülerinnen und Schüler aus Stadt und Landkreis Lüneburg das Projekt durchlaufen.

Im Projektzeitraum wird täglich im Unterricht fächerübergreifend mit der Zeitung gearbeitet. Im Vordergrund steht dabei das Ziel der Leseförderung, daneben werden Zeitungs- und Medienwissen vermittelt. In einem Teil der Klassen beteiligen sich Studierende der Lüneburger Universität an der Umsetzung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einem individualisierten Unterricht unter starker Berücksichtigung der Interessen der Jugendlichen. Die Zeitung ist hierfür besonders gut geeignet, da sie für die unterschiedlichsten Interessen aktuelle Lesestoffe bereitstellt und im Gegensatz zum Schulbuch selektiv gelesen werden kann. Die Schülerinnen und Schüler wählen selbst, was und in welcher Reihenfolge sie lesen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass selbst total lesefrustierte SchülerInnen nach kurzer Anlaufzeit zugreifen und täglich in der Zeitung stöbern.

Ablauf im Schulalltag
   Ausgangspunkt der Arbeit ist an jedem Schultag das freie Lesen („Silent Reading“). Während im Klassenraum für 15–20 Minuten völlige Stille herrscht, liest jede Schülerin/jeder Schüler in ihrem/seinem persönlichen Exemplar beliebige Artikel aus der Tageszeitung – je nach Interesse den Sport- oder Lokalteil, Politik, Anzeigen, Kommentare, Aus aller Welt, Comics und so weiter.
    In der Regel wird anschließend an der Erstellung eines individuellen Lesetagebuches gearbeitet. Hier kleben die SchülerInnen täglich die sie besonders ansprechenden Artikel ein, kommentieren diese und begründen ihre Auswahl.
    Sehr beliebt ist auch das Arbeiten mit Überschriften: Die SchülerInnen erkunden Funktion und Mittel von Zeitungsüberschriften, variieren sie und erstellen neue.
    Ferner kann sich Zeitungskunde (Rubriken, Redaktion, Druck und Vertrieb) anschließen.
    Eine weitere Möglichkeit sind das Kennenlernen und Ausprobieren von journalistischen Textformen wie Reportage, Bericht, Leserbrief, Karikatur.

Das Projekt wird durch ein Seminar der Leuphana-Universität Lüneburg begleitet, in dem Themen wie Lesesozialisation, Leseförderung, Zeitungswissen und Medienkunde behandelt werden - auch mit externen Referenten und Mitarbeitern der LZ. Die Studierenden werden im Seminar darauf vorbereitet, im Sinne von Service-Learning Module (Teilprojekte) zum Lesetraining und zur Vermittlung von Zeitungswissen zu konzipieren, diese praktisch in Kleingruppen an den Schulen durchzuführen und im Seminar kritisch zu reflektieren. Zur Umsetzung eines direkten Theorie-Praxis-Bezugs findet das Seminar parallel zur Praxisphase statt. Die Seminarsitzungen werden teilweise als gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen mit den Lehrkräften der beteiligten Klassen durchgeführt.

Das Projekt hat sich mittlerweile in Lüneburg etabliert und findet auch überregional Beachtung, so beispielsweise in der Sammlung „Examples of Good Practice“ der europaweiten Plattform ELINET.

Näheres: http://wirlesen.org/artikel/wie-foerdern/kinder-jugendliche/jugendliche/zeitungsleser-weltentdecker

 

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