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Bücherschau

Hoanzl - Von der One-man-show zum Marktführer

Georg Pichler über die Agentur und den Verlag Hoanzl

Der wie erfundene, gemütlich österreichisch klingende Name ist in Österreich mittlerweile ein Begriff. Es ist jedoch ein ganz einfacher Familienname, nämlich der des Gründers des Unternehmers, der die Hoanzl GmbH sowie die Hoanzl Agentur GmbH aufbaute. Der Burgenländer Georg Hoanzl gründete 1991 seine Künstleragentur, die erste Kabarettauftritte etwa für Andreas Vitásek und Josef Hader organisierte und bewarb.
Zuvor engagierte er sich seit 1980 in verschiedenen Kulturvereinen (KADL – Kultur auf dem Lande, Fröhlicher Frühling usw.), um sein eigenes kulturelles Erleben zu erweitern, wie er meint. Als Schulsprecher nutzte er die neue Offenheit (Schulgemeinschaftsausschuss), um Konzerttourneen und Kinovorführungen quer durch Österreich zu organisieren. Seine erste herausgeberische Tätigkeit: „Zwischen Fruchtwasser und Leichenschweiß“ – ein kleiner Lyrikband, nicht nur im Eigenverlag, sondern auch selbst gedruckt (Georg Hoanzl: „Ich erinnere mich noch gerne an meine schwarz gefärbten weißen Tennisschuhe in der Druckerei Wolfnudel“).
Dann begann er mit der Organisation von Veranstaltungen für Andreas Vitásek und Josef Hader: mit Vitásek bei einer Veranstaltung in Fürstenfeld (1987) an einem extrem heißen Sonntag im Juni; mit Josef Hader bei einer nächtlichen Autofahrt von Salzburg nach Wien. Es folgten jahrelange gemeinsame Autofahrten mit diesen beiden Künstlern. Sieben Jahre war er als „One-man-show“ tätig. Nunmehr beschäftigt das Unternehmen Hoanzl mehr als 48 fix angestellte Mitarbeiter.
Zu den Künstlern, die bei Hoanzl unter Agenturvertrag stehen gehören neben Josef Hader und Andreas Vitásek beispielsweise Stermann & Grissemann, Michael Niavarani, Erwin Steinhauer, Michael Mittermeier, Max Raabe & Palast Orchester, Oliver Pocher, Cindy aus Marzahn, Olaf Schubert und viele andere.

Produktion und Vertrieb
Im Mai 1995 wurde die erste eigene CD Josef Hader „privat“ mit der Bestellnummer H-001 produziert. Im Herbst 1995 verschickten sie die CD in Kommission an Tonträgerhändler - sie wurden ungefragt mit 5er und 10er „Packerln“ beglückt, aber mit der Zusage, dass die Ware auf Hoanzls Kosten (Rücktransport und Kommission) wieder zurückgenommen wird und sie ein halbes Jahr Zahlungsziel haben. Der Erfolg gab ihnen recht, und eine kleine, funktionierende Vertriebsstruktur hatte sich mit einer CD entwickelt.
Motiviert vom deutschen Label Trikont gründete er im Jahr darauf einen „wirklichen Vertrieb“. Mittlerweile ist Hoanzl auch der größte österreichische Independent Vertrieb und vertritt 25 namhafte österreichische Labels, (80 % der österreichischen Independent-Labels) und renommierte internationale Labels mit einem Gesamtkatalog von über 10.000 CDs.
Etablieren konnte er sich im Tonträgerhandel mit der Marke „Best of Kabarett“ (bisher 136 Einzel-DVDs). Diese Dachmarke wurde entwickelt, so Hoanzl, um ihre Kabarett-Produktion aus der Abseitsstellung hervorzuheben, es gab die Zuteilung Kabarett im Handel einfach nicht.
Die Anforderungen und Möglichkeiten, die die DVD dem Gestalter bietet, waren für ihn eine große Herausforderung und gleichzeitig auch eine Belastung in der Umsetzung. Durch bislang über 500 DVD-Produktionen (seit 2001) haben sie die notwendigen Erfahrungen gesammelt. Mit dieser Anzahl an Produktionen sind sie mittlerweile der umsatzstärkste DVD-Produzent Österreichs, mit einem Marktanteil von über 90%.
Georg Hoanzl: „Wir haben es geschafft, mit bisher noch nie veröffentlichen Nischenproduktionen kommerzielle und strategische Bedeutung für den Handel zu erlangen. Durch unsere zielgruppenaffine und glaubwürdige Bewerbung sowie einer kontinuierlichen, umsatz-relevanten Produktfolge haben wir eine hervorgehobene Marktposition im Handel am ‚Point of Sale‘ geschaffen. Das ist für die Branche eine untypische Entwicklung, die sich auch im Umsatz darstellt. Die Investitionen in Produkt, Marketing und Vertrieb haben sich gelohnt“.

Der Österreichische Film
Mit dem  Projekt „Der Österreichische Film – Edition Der Standard“(ab 2006) ist es Hoanzl schließlich gelungen, den Österreichischen Film erfolgreich zu bewerben und im Handel zu platzieren. An über 500 Verkaufsstellen ist dieses „Programmkino“ österreichischer Identität erhältlich. „Der Österreichische Film“ mit über 500.000 verkauften Einheiten dient tatsächlich als mustergültiges europäisches Beispiel für differenzierten breitenwirksamen Nischenhandel. In den nächsten Jahren wird diese erfolgreiche Edition weiter fortgesetzt.
Weitere erfolgreiche Editionen sind die beiden Theatereditionen „Edition Theater an der Josefstadt“ (46 Einzel-DVDs) und „Edition Burgtheater“ (40 Einzel-DVDs) mit filmischen Mitschnitten großer und bekannter österreichischer Theater-Aufführungen.
2008 unterzeichnete der Verlag ein Abkommen mit der ORF-Tochter ORF Enterprise, das Hoanzl für 10 Jahre die exklusiven Verwertungsrechte des ORF-Archivs für DVDs und eine Web-Mediathek zusichert. Das Abkommen sorgte im ORF-Stiftungsrat für Aufsehen, da es ohne Ausschreibung getroffen wurde, der ORF eine eigene Verwertungstochtergesellschaft plane und eine Vertragsdauer von 10 Jahren Kritikern zu lang erschien. Nachdem jedoch das Zustandekommen dieses Vertrages vor allem ORF intern kritisiert worden war, zog Georg Hoanzl den Vertrag einseitig wieder zurück. Veröffentlicht wurden erfolgreiche ORF-Filme und -Sendungen in einer „ORF Edition“. Des Weiteren gibt es noch die „Samstag Nachmittag Kinoh!“-Edition mit deutschsprachigen Filmklassikern, die „Edition Qualtinger“ und die „Edition Thomas Bernhard“. Als Nächstes angedacht sind spezielle Bundesland-Edition sowie ein Schritt über die österreichische Landesgrenze hinaus mit dem Erscheinen einer eigenen Bayern-Edition.




 

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