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Bücherschau

Dinge aus dem Nebel des Vergessens fischen oder Ein Exzess an Genauigkeit

Andreas Tiefenbacher über die neue Edition Freitag im Sonderzahl Verlag

Seit 2011 gibt es im Wiener Sonderzahl Verlag die Edition Freitag, deren Name auf der Janusköpfigkeit des Freitags beruht, welcher zwar noch Arbeitstag ist, aber schon die Stimmung des nahen Wochenendes spüren lässt, weshalb im Programm nur solche literarischen Texte veröffentlicht werden, die eine eigenständige Publikation verdienen, vom Umfang her jedoch nicht dick genug sind, um ein kommerziell vertretbares Buch zu ergeben. In diesem Sinne bringt die Edition Freitag fadengeheftete, höchstens 52 Seiten lange Broschuren in einer nummerierten und limitierten Auflage von jeweils 111 Stück heraus. Zwei Publikationen gibt es inzwischen.
Als Band 1 firmiert „Joyce Choice oder: Ein Hund kam in die Küche“ von Gabriele Petricek. Das mit einem überlangen Faden versehene Heftchen, welches man, wie die 1957 in Krems geborene Kulturpublizistin und Schriftstellerin meint, „als Klolektüre an einem Haken aufhängen kann“, was ihm etwas „Fliegendes verleiht“; das aber genauso ideal ist für unterwegs, weil es in jede Manteltasche passt, setzt sich mit der Besonderheit der „Freitag-Mittagstische“ und dem am „16. Juni 2010 zu Ehren des Mr. Leopold Blum“ abgehaltenen Innereien-Dinners auseinander.
Während die einen allwöchentlich in einem Stammlokal stattfinden (Die Einladung erfolgt „durch short message service am Tag zuvor“), gibt es letzteres als großes Fest nur einmal im Jahr. Und wie es sich für eine „Innereienvöllerei“ gehört, sind die daran teilnehmenden Personen am Ende „erschöpft vom Essen und Trinken“.
Alles andere als erschöpft ist man nach der Lektüre dieses vergnüglichen Textes. Das liegt an seiner charmanten Unkonventionalität, aber auch an seiner originellen Gestaltung, die angefangen von Kritzeleien mit Reimen über Schwarzweißfotografien und handeingeklebte Farbbilder bis hin zu Zitaten aus dem Ulysses einiges an Abwechslung bietet.
Auf einem nicht weniger ausgefallenen Pfad des Erzählens wandelt auch „Wir danken für ihren Besuch!“ von Katharina Riese, das als Band 2 der Edition Freitag im Sonderzahl Verlag erschienen ist. Wie schon im Untertitel „Reisejournal mit Kassenbons“ anklingt, versucht die Autorin, „die Drucksorte Kassenbon am Beispiel einer Reise in den Süden ein wenig näher“ zu betrachten. Von Wien aus gelangt sie „in kassenbongestützter Erzählweise“ mit dem Auto über Klagenfurt nach Triest und Pula, wo es auf dem Campingplatz in Medulin eine ziemliche „Prügelhitze“ zu ertragen gilt.
Zu ertragen gilt es für die Ich-Erzählerin am Ende auch ein ungünstiges Konsumentinnenprofil. Immerhin aber wird sie einer erstaunlichen Bandbreite sekundärer Einsatzmöglichkeiten von Kassenbons gewahr, die von der „Minimierung der Schäden der Vergesslichkeit“ bis hin zur „Not-Not-Lösung für ein Alibi“ reichen.
Der Text bietet eine witzige und detailverliebte Aufschlüsselung. „Aber Achtung! Wer kassenbongestützt erzählen will, sollte sich beeilen; all zu lang kann man die Kassenbons nicht aufheben. Sie bleichen rasch aus“.
Und damit dieses Ausbleichen den kleinen Lesekostbarkeiten der Edition Freitag erst gar nicht passieren kann, stecken sie in einer schützenden Plastikhülle.


 

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