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Bücherschau

AK-Bibliothek digital

Ein Erfahrungsbericht aus dem Burgenland. Von Roman Huditsch

Seit über zwei Jahren steht die AK-Bibliothek digital den burgenländischen LeserInnen offen - Zeit für einen ersten Erfahrungsbericht

1. Kurzvorstellung

Seit 23. März 2011 stellt die „AK-Bibliothek digital“ eine fast österreichweit und jederzeit über das Internet zugängliche Bibliothek mit digitalen Inhalten (eBooks und demnächst auch ePapers und Hörbücher) für BibliotheksnutzerInnen und AK-Mitglieder, unabhängig von ihrem Wohnort und von Öffnungszeiten, dar.Der Bestand dieser Bibliothek umfasst – so wie jener der Bibliotheken der Länderkammern bisher – Ratgeber-, Fach- und Sachliteratur zu den diversesten Themenbereichen und natürlich jede Menge Belletristik. Selbstverständlich finden sich dort auch AK-Publikationen (Studien, Fachpublikationen, Zeitschriften etc.), die über die digitale Bibliothek eine ganz neue Verteilungsschiene bekommen haben.Der Medienbestand, der von anfangs ca. 7.000 eBooks auf mittlerweile über 14.000 Exemplare angewachsen ist, macht die AK-Bibliothek zur größten Bibliothek dieser Art in Österreich und gewährleistet ein umfassendes Angebot, bei dem jeder Leser das Richtige für seinen Geschmack findet. Der geplante Medienzuwachs von 33 Prozent pro Jahr sorgt auch dafür, dass ständig neue Erwerbungen für unsere Leser verfügbar sind. Dieser enorme Zuwachs ist auch notwendig, um auf die rasch wachsende Nachfrage reagieren zu können.Der Medienbestand beschränkte sich bislang zwar lediglich auf eBooks, da die technischen Voraussetzungen für Hörbücher bis dato noch keinen reibungsfreien Betrieb zuließen. In den nächsten Monaten wird der Bestand jedoch durch ePapers und Hörbücher (eAudio) ergänzt und somit noch attraktiver werden.Die „AK-Bibliothek digital“ wird von den Bibliotheken der einzelnen Länderkammern eingerichtet und betrieben. Sie ist ein einmaliges Angebot für die AK-Mitglieder, Bibliotheksbenutzer, Betriebsräte und alle Zielgruppen, die man mit diesen speziellen Inhalten erreichen will.

2. Spezielle Medienangebote für spezielle Zielgruppen

Ein besonderes Highlight der „AK-Bibliothek digital“ ist sicherlich, dass sie spezielle Zielgruppen mit für sie zugeschnittenen Informationsangeboten einfach erreichen kann: Betriebsräte, Lehrlinge, Lehrende und Lernende ausgewählter Fach- und Studienrichtungen etc.Für diese Gruppen können einfach und ohne größeren Aufwand „Mediensammlungen“ zusammengestellt werden. Der Vorteil darin liegt auf der Hand: In diesen Mediensammlungen, die mit Hilfe von ausgewählten Fachexperten zusammengestellt werden, finden die NutzerInnen nur Medien, die für ihren Bereich auch von großem Interesse sind.Beispiele für solche Mediensammlungen:

- BetriebsrätebibliothekIn Kooperation mit dem ÖGB-Verlag wurde eine für die Bedürfnisse von Betriebsräten maßgeschneiderte Bibliothek zusammengestellt, die exklusiv Betriebsräten zugänglich ist.

- Mediensammlung für nichtärztliche GesundheitsberufeIn einer speziell für Lehrende und Lernende des immer größer werdenden Bereichs der nichtärztlichen Gesundheitsberufe stehen mehr als 200 Lehrunterrichtsmaterialien und Fachbücher zur Verfügung.

- Mediensammlung für vorwissenschaftliche ArbeitenIn Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur wurde hier eine Mediensammlung geschaffen, die speziell auf die Informationsbedürfnisse der SchülerInnen ausgerichtet ist, die im Rahmen ihrer Matura eine vorwissenschaftliche Arbeit schreiben müssen.

3. „Die AK-Bibliothek digital“ als Chance für das Burgenland

Immer wieder ist in diversen Fachmagazinen wie den Büchereiperspektiven des Büchereiverbandes Österreichs (BVÖ) zu lesen, dass die Situation der Öffentlichen Bibliotheken gerade im Burgenland sehr großes Verbesserungspotential aufweist. Das betrifft nicht nur das oft aus budgetären Gründen bescheidene Medienangebot, sondern auch die damit verbundene ausbleibende Nutzung durch die Bevölkerung, was wiederum sinkende Budgets vieler Bibliotheken zur Folge hat. Hier haben wir es also mit einem regelrechten Teufelskreislauf zu tun.Gerade im Hinblick auf diese schwierige Ausgangslage bietet die „AK-Bibliothek digital“ für alle burgenländischen LeserInnen ein äußerst interessantes Angebot.Während viele Regionen lediglich unzureichend mit Öffentlichen Bibliotheken besetzt und die Öffnungszeiten aufgrund des ehrenamtlichen Betriebs oft stark eingeschränkt sind, steht die „AK-Bibliothek digital“ rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche mit ihrem umfangreichen Angebot für alle LeserInnen bereit.Vor allem durch den gut ausgebauten Sachbuchbestand, der auch für SchülerInnen, die an Referaten oder an ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit schreiben, äußerst interessant ist, bietet die digitale Bibliothek die einmalige Chance, das Medienangebot auf einen Schlag zu erweitern.Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die „AK-Bibliothek digital“ bei ihrer Eröffnung im März 2011 sehr großes Interesse sowohl seitens der LeserInnen als auch der Medien im Burgenland hervorgerufen hat.

4. Entlehnbedingungen und –gebühren für BurgenländerInnen

Wie bereits kurz erwähnt, können die einzelnen Länderkammern autonom Zugangsbedingungen und –kosten der „AK-Bibliothek digital“ für ihre LeserInnen festlegen. Um den geografischen Besonderheiten und der wie beschrieben recht schlechten bibliothekarischen Grundversorgung im Burgenland Rechnung zu tragen, steht die „AK-Bibliothek digital“ burgenländischen NutzerInnen völlig kostenlos zur Verfügung. Es fallen also weder Gebühren für die Registrierung noch für die Entlehnung an.Dadurch wollen wir erreichen, dass auch potentielle LeserInnen aus abgelegeneren Regionen, die keine physische Bibliothek in ihrer Nähe haben, ohne große Zutrittsbarrieren unser digitales Angebot nutzen können.Auch die Registrierung zur „AK-Bibliothek digital“ erfolgt äußerst unkompliziert über ein Online-Anmeldeformular. Die Zugangsdaten erhält der Nutzer bereits Sekunden nach der Registrierung, sodass sofort mit der Mediensuche gestartet werden kann.Gleichzeitig können derzeit von einem Nutzer bis zu acht Medien gleichzeitig herunter-geladen werden. Die Entlehnfrist für diese Medien beträgt zwei Wochen. Nach Ablauf dieser Zeitspanne können die Medien nicht mehr geöffnet und gelesen werden und können daher lokal gelöscht werden. Bei Bedarf stehen die Medien einfach zum wiederholten Herunterladen bereit.Sollte ein gewünschtes Medium bereits von anderen LeserInnen ausgeborgt sein, besteht die Möglichkeit, sich diesen Titel reservieren zu lassen. Sobald er wieder verfügbar ist, erhält man eine Benachrichtigung per eMail und kann dann auf das gewünschte eBook zugreifen.

5. Erfahrungen und erste Zahlen aus dem Burgenland

Bereits die ersten Zahlen des Jahres 2011 lassen erkennen, dass die „AK-Bibliothek digital“ für viele LeserInnen - nicht nur im Burgenland - eine willkommene Ergänzung des Bibliotheksservices der Arbeiterkammer ist:

Themen                                Entlehnungen        Umsatz

Anderes                                4089                       2,7

Belletristik                             58003                     9,5

Betriebsrätebibliothek            313                         8,5

Eigenpublikation                    96                          6,9

Geisteswissenschaften          6058                       4,6

Naturwissenschaften             8028                       7,5

Ratgeber                              10089                     7,9

Sammlung VWA                     934                         4,2

Sozialwissenschaften             2240                       5,5

Gesamtergebnis                    89850                      6,43

Ein Umsatz von ca. 6,5 ist dabei mehr als erfreulich. Auch die Zahlen der nachfolgenden Jahre und Monate zeigen das wachsende Interesse der LeserInnen. Allein im Burgenland dürfen wir uns mit Stand September 2013 über mehr als 1.000 digitale LeserInnen freuen, wobei wöchentlich in etwa 10 bis 20 neue NutzerInnen hinzukommen. Österreichweit sind es sogar mehr als 10.000 LeserInnen, die die „AK-Bibliothek digital“ eifrig nutzen. Eine im Rahmen einer BVÖ-Projektarbeit durchgeführte Online-Umfrage unter allen digitalen LeserInnen im Burgenland brachte interessante Aufschlüsse sowohl über die Zusammensetzung der Leserschaft als auch die Nutzung.Interessant zu beobachten: Es gibt in etwa gleich viele weibliche wie männliche Leser in der digitalen Bibliothek. Ein Bild, das wir sonst in unseren physischen Bibliotheken nur sehr selten, wenn überhaupt, vorfinden.Betrachtet man die Altersstruktur der Leserschaft, fällt auf, dass keinesfalls, wie vielleicht angenommen werden könnte, jüngere LeserInnen (Stichwort „digital natives“) dominieren, sondern dass das Gros der Kunden zwischen 35 und 45 Jahre alt ist. Auch sehr viele ältere LeserInnen sind bereits begeisterte digitale Leser.

Sehr erfreulich ist auch, dass sich die Nutzer der digitalen Bibliothek wirklich auf das gesamte Burgenland verteilen und sich nicht nur auf die städtischen Ballungsräume beschränken. Oft dient die „AK-Bibliothek digital“ dabei als einzige Möglichkeit, sich mit aktuellen Büchern zu versorgen – und das noch dazu kostenlos.Auffällig ist auch, dass der überwiegende Teil der Befragten angab, die heruntergeladenen eBooks (noch) nicht auf einem dezidierten eBook-Reader zu lesen, sondern als Lesegerät einen Computer oder ein Notebook zu verwenden.Die Statistiken und Anfragen der letzten Monate zeigen jedoch eindeutig, dass sowohl die digitale Leserschaft als auch „traditionelle“ LeserInnen, die bislang lediglich physische Bücher entlehnt haben, zunehmend auf eBook-Reader umsteigen.

Zu diesem Wechsel dürfte gerade auch die neue Generation der eBook-Reader verschiedenster Anbieter beigetragen haben. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand:

- eine ganze Bibliothek in der Hosentasche (mehr als 500 Bücher auf einem Gerät),

- dank Hintergrundbeleuchtung ist auch ein Lesen abends im Bett ohne Störung des Partners möglich,

- einfache Übersetzungsfunktionalität von Fremdsprachen und Fremdwörtern,

- das Schriftbild kann ganz individuell auf die eigenen Bedürfnisse eingestellt werden,

- eBook-Reader werden immer billiger, sodass der „Break-Even“ sehr rasch erreicht wird.

Die Entlehnzahlen zeigen, dass das Hauptinteresse bei eBooks zwar überwiegend auf Belletristik liegt, jedoch auch Sachbücher überdurchschnittlich häufig entlehnt werden und der Umsatz in etwa doppelt so hoch liegt wie in den physischen Büchereien.Eine Frage, die uns seit Inbetriebnahme der digitalen Bibliothek immer wieder gestellt wird, ist, ob wir jetzt einen Rückgang der Entlehnungen in unseren physischen Bibliotheken bemerken. Dies lässt sich ganz eindeutig mit einem Nein beantworten. Im Gegenteil. Gerade in den letzten Jahren erfreuen sich unsere AK-Bibliotheken im Burgenland sehr starker Zuwächse sowohl was die Anzahl an LeserInnen als auch der Entlehnungen betrifft.Allein in Eisenstadt haben wir pro Jahr einen Zuwachs von rund 50% bei den Entlehnzahlen!Aber natürlich gibt es LeserInnen, die jetzt nur noch auf unser digitales Angebot zugreifen, aber zum überwiegenden Teil kommen auch die NutzerInnen der „AK-Bibliothek digital“ nach wie vor zu uns in die Bibliothek. Sei es, um sich bei Problemen mit ihrem eBook-Reader helfen zu lassen, sich vor Ort über aktuelle Neuerscheinungen zu erkunden, sich Buchtipps zu holen, vor Ort eBooks auf den Reader laden zu lassen oder sich aber auch ein oder mehrere „klassische“ Bücher auszuleihen. Worüber wir uns natürlich auch sehr freuen!

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