Bücherschau

Menasse, Robert - Die Hauptstadt

Gelesen von Christian Berkel

Robert Menasse erhielt für seinen Roman „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis 2017. Es handelt sich dabei um den ersten sogenannten EU-Roman, der die Geschehnisse im Zentrum der Macht der Europäischen Union literarisch darstellt.
Potagonisten sind klug ausgesuchte Beispiel-Funktionäre der EU. So etwa Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur in Brüssel, die vor einer schwierigen Aufgabe steht. Sie soll das Image der EU-Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an, die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte. David de Vriend dämmert in einem Altenheim seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Thinktank der Kommission Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen - für ein Schwein, das durch die Straßen läuft.
Aus diesem klug komponierten, dramaturgisch durchaus interessanten, turbulenten, überaus witzigen, aber auch kenntnisreichen (und Kenntnis stiftenden) großartigen Roman, der zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis prämiert wurde, liest Christian Berkel souverän und ausdrucksstark. Eine Lesung, der man gerne folgt.
Simon Berger

Menasse, Robert - Die Hauptstadt
Gelesen von Christian Berkel. München: der Hörverlag 2017. 2 mp3-Cds. 14 h 21 min. € 25,80
ISBN 978-3-8445-2747-6

 

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur