Bücherschau

Helfer, Monika - Die Bagage

Gelesen von Monika Helfer
Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern ganz am Rand eines Bergdorfes, fernab der restlichen Bewohner. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Es ist die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Es ist die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und attraktiv ist, sondern eines Tages auch an die Tür von Maria klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Erzählerin. 
Monika Helfer erzählt hier die Geschichte von Maria, einer Frau, der ihre Schönheit fast zum Verhängnis wird. Sie schreibt über Armut und Abhängigkeit und das Leben im Krieg, über den Zusammenhalt einer Familie und über schmerzhafte Erinnerungen, die durch die Generationen hindurch vererbt werden. Und die Autorin macht keinen Hehl daraus, dass diese fiktive Darstellung einer marginalisierten Familie von der Geschichte ihrer eigenen Großmutter und Mutter inspiriert ist, und dass es doch ein Roman ist, eine mit aller Freiheit erfundene Erzählung. Monika Helfer liest selbst, und das kongenial. 
Brigitte Winter
 
Helfer, Monika - Die Bagage
Gelesen von Monika Helfer. München: Der Hörverlag 2020. € 19,60
ISBN 978-3-8445-3798-7

 

 

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