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Bücherschau

Piuk, Petra - Lucy fliegt

Lucys Oberflächlichkeit trifft den Zeitgeist punktgenau

„Linda geht gar nicht. Linda ist so. So normal. Und ich bin doch. Also natürlich bin ich normal im Sinne von nicht verrückt. Aber im Sinne von außergewöhnlich und besonders bin ich alles andere, und einen langweiligeren Namen als Linda gibt es wohl nicht. Gut, dass ich nicht mehr Linda.“ So wird aus Linda einfach Lucy. Lucy ist dreiundzwanzig und hungrig. Sie ist hungrig nach Erfolg und Bewunderung. Lucy ist schrill und nervig. Lucy ist kindlich und promiskuitiv. Und Lucy ist gerade dabei abzuheben. Petra Piuk entwickelt in ihrem Debütroman mit der Figur der Lucy nicht einfach nur eine simple Projektionsfläche für eine scharfe Medienkritik. Piuk hält stets den Ton der oftmals nervenden und meist unvollendeten Sätze und Gedanken von Lucy und ihrer Welt.
Es ist der innere Monolog einer jungen Frau, von der Art, wie wir viele zu kennen scheinen, die Nachfolgerinnen und Nachahmerinnen von Katzenberger, Feldbusch und Co. Doch Piuks Lucy steht auch als Beispiel für Identitätssuche in einer immer härter umkämpften Welt, wo die echten und unechten Gefühle sich doch oft so ähnlich sind. Doch die Suche endet nur in Ausnahmefällen mit der Hauptrolle in einer Doku-Soap oder im Blitzlichtgewitter auf einem roten Teppich. Auch die Einlieferung in die Psychiatrie kann ein mögliches Ende sein. Mit diesen Grenzen und Vorstellungen spielt die Autorin.
Julie August

Die Protagonistin oder (um es mit ihren eigenen Worten zu beschreiben) die Hauptdarstellerin Lucy aus Petra Piuks Debütroman „Lucy fliegt“ nervt gewaltig. Und nicht nur mich, sondern auch reihenweise andere Personen im Roman. Sie sitzt im Flugzeug und ihre Gedanken springen gewaltig herum, von der Vergangenheit in die Zukunft und hin und wieder in die Gegenwart. Ihre Eskapaden, ihre Träume und ihre Niederlagen, die in kurzen, zerstückelten Sätzen daherkommen, offenbaren aber auch ein großes Drama dahinter.
Lucy, die eigentlich Linda heißt, ist nicht nur auf den Größenwahn zu reduzieren, sondern sie hat ein trauriges und eigenartiges Schicksal zu bewältigen. Ihr Traum von Hollywood, vom Oscar für die beste weibliche Hauptrolle treibt sie dazu, alles dafür zu geben. Sie jobbt anfangs in einem Lokal und später in einem Escort-Service, daneben versucht sie sich als Schauspielerin mit vielen Dates und abstoßenden Details.
Schlussendlich schafft sie es in eine Casting-Show im Privatfernsehen, deren Siegerin eine Rolle in Hollywood winkt. Lucy, die Gewinnerin, ist auf den Weg nach Hollywood. Und Lucy, die Verliererin, hat einen Scherbenhaufen in ihrem bisherigen Leben hinterlassen. Von der Flugangst im Flieger, in dem man sie permanent wahrnimmt, nach Hollywood getrieben, mit Notfalltropfen und schrägen Szenen, stellt sich heraus, dass der Flug nur nach Düsseldorf führt zur Casting-Show „Hollywood-Mega-Star“. Egal wie, Lucy hinterlässt einen Eindruck, sie bleibt im Gedächtnis. Gemocht, geliebt oder gehasst, Lucys Oberflächlichkeit trifft den Zeitgeist punktgenau.
Petra Piuk hat ein faszinierendes und zugleich abstoßendes Debüt geschrieben, das literarisch einiges zu bieten hat und im Kopf haften bleibt.
Rudolf Kraus

Piuk, Petra - Lucy fliegt
Roman. Wien: Kremayr & Scheriau 2016. 188 S. - fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-218-01026-9


 

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