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Bücherschau

Petrik, Dine - Magenta

Aus einem breiten Spektrum von Erfahrungen destillierte Gedichte

Die als Band 43 in der von Erika Kronabitter und Raimund Bahr betreuten Reihe „Lyrik der Gegenwart“ erschienene Sammlung gliedert sich in vier Bereiche: „Am Rathausplatz“, „Am Drehkreuz“, „Am Ausgang“ und „Am Drücker“. An diesen neuralgischen Punkten kumuliert Bewegung, der Dine Petrik als gewissenhafte Beobachterin gerne folgt. Ihr entgehen auch Kleinigkeiten nicht, denn immer hat sie ganz scharf „im sucher das ziel“.
Ihre aus vier bis acht Halbzeilen bestehenden Gedichte des ersten Abschnitts leben von Andeutung und Ausgespartem, von Momentaufnahme und Zeilenbruch sowie der Dynamik ihrer Bilder und Vergleiche. So wird die „zeit“ zum „klang / der (...) dich ins knie zwingt / & zerstört bis er dich / neu instrumentiert.“ Und wer zufällig im Alptraum „in der steilwand“ hängt und merkt: „hinauf / geht es nicht / hinab teilt es / sich“, der darf sich nicht wundern, wenn er „mit dem / magen im hals“ aufwacht. Verständlich, dass bei so viel Bodenlosigkeit, der man ja leider nicht bloß in Bergwänden, sondern generell viel zu häufig auf dieser Welt begegnet, „der ton der / füße lauter“ wird.
In ihren Traumsequenzen, Weisheitsbekundungen, Botschaften, Stimmungsbildern und kaskadenhaften Wortspielereien entschlüpfen diesen kleinen Textkörpern viele kritische Töne. Die in den restlichen drei Abschnitten länger werdenden, teilweise halbseitigen Gedichte verkleiden sich als „fünf vasen verse“ genauso wie sie sich als „drahtseilakte“ gerieren. Sie befinden sich mit dem „heimatgefühlsgerede vom menschen“ stets auf Tuchfühlung und vermögen mehr als bloß den Anschein zu erwecken, dass „das wort eine waffe“ ist, mit der es gilt, die unter so viel Mensch- und Tiergetrampel leidende Natur zu retten, respektive das „tief unter rüben (...) angststarre feld“ aus dem „gewusel / gefräßiger stare“.
Dine Petrik treibt ihre aus einem breiten Spektrum von Erfahrungen destillierten Gedichte mit zeitkritischem Impetus „bis ans limit“ der Sprache, wo sie melancholische Mystik zu entfalten vermögen, in der „stille“ nachzuwirken verstehen, sich in „nahrung“ und „mittel für die seele“ verwandeln.Manchmal entpuppen sich diese von Wort zu Wort sich weiterhangelnden, satzzeichenfreien und schnörkellos in Kleinschreibung gehaltenen lyrischen Gebilde als „raubeinige tischgebete“, um gleich darauf als „süße kakerlakenküsse“ zu reüssieren. In wenigen Wortsequenzen gelingt es der Autorin Dramatik aufzubauen: „ein derber himmel“ kündigt sich an, bis wenig später nur mehr „ein zur wand gedrehter / rest leben / den mund voll tod“ übrig bleibt, „ein fall in die stille / ins dröhnen ins / nagelbett schmerz“.
Petriks lyrisches „Magenta“ präsentiert „in vollmundtranspiranzen (...) ein gemisch / aus allen poren“. Es „geht um die gelassene art / im scharfen wechsel, um die kurzen sätze / in der langen zeile“. Und im Gedicht „kapa zunda“ entdeckt man dann noch fast so etwas wie ein Programm: „das wort eine waffe / ein klang ein vehikel / aus komik-dramatik“. Aber es ist nicht so, dass „alles bloß commedia dell’arte“ wäre oder „wort luft (...) hier, in der zur / decke aufgestauten prosa“. Nein, nein. Es ist schon „der geruch nach poesie“, den diese Seiten verströmen; und das auch noch „im freien fall: was / für / ein / glück“.
Und niemanden wundert‘s. Denn diese Gedichte sind gut. Und wenn sie auch nicht unbedingt ins „sex sells muster“ passen.
Andreas Tiefenbacher

Petrik, Dine - Magenta
Gedichte. St. Wolfgang: Edition Art Science 2015. 93 S. - kt. : € 11,00 (DL)
ISBN 978-3-902864-36-9

 

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