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Bücherschau

Day, David - Das Buch von den Hobbits

Einführung in Tolkiens mythische Verstrickungen

Bilbo Beutlin (orig. Baggins), ein Hobbit aus Beutelsend. Was wie zufällig gewählte Phantasienamen wirkt, ist beim genaueren Betrachten eine wohlüberlegte kreative Wortschöpfung aus bestehenden altenglischen Wörtern. J. R. R. Tolkien, der berühmte Autor der Klassiker „Der Hobbit“ und „Herr der Ringe“, Professor für englische Philologie in Oxford und u.a. Herausgeber des Oxford English Dictionary, war fasziniert von Sprachen, Märchen, Epen und Mythen. Bei seinem Hobby, dem Schreiben von Geschichten, ließ er sich von den Bedeutungen der Wörter leiten. Die Namen der Personen beinhalten bereits deren Schicksal. In seinem Schreibprozess geht Tolkien also „nur“ dem Kern des Namens eines Helden auf den Grund und lässt dadurch ein ganzes Epos entstehen.
Ein „Hob“ ist in der englischen Mythologie ein Geist, der in einer Höhle in einem Hügel wohnt. Bei Tolkien wohnen die Hobbits im Auenland in Hügeln. Weitere Wörter mit dem Stamm „Hob“ beinhalten bereits alle Charakterzüge von Hobbits: rüpelhaft, bäuerisch, launisch, exzentrisch. Ihre Vorliebe für Rätsel und Überraschungen lässt sich auch im Wort „hobble“ (verblüffen) erklären.
Das englische Wort „Bilbo“ stand in Shakespeares Zeiten für ein kurzes Schwert, eine tödliche Stichwaffe. Der Ursprung des Wortes liegt im portugiesischem Ort Bilbao, der für die Herstellung von Stahlwaffen berühmt war. Tolkiens Held Bilbo Baggins trägt in seinem Namen bereits seine Wesensbestimmung und somit sein Schicksal: einerseits ein gemütliches, harmloses, geselliges Wesen („Baggins“ steht für Imbiss und Nachmittagstee), andererseits ein intelligentes, leicht gefährliches Individuum („Bilbo“).
Die Namen aller Zwerge rund um Thorin stammen direkt aus der altisländischen Prosa-Edda aus dem 13. Jahrhundert. Auch der Name Eikinskjaldi ist dort zu finden, den Tolkien als zweiten Namen für Thorin wählt und einen eigenen Ursprung dafür erfindet: „Eichenschild“, nach dem Eichenast, den Thorin seit einer Ork-Schlacht fortan als Schild benutzt.
Auch „Gandalf“ kommt aus der Edda, wird bei Tolkien aber in den Zauberer verwandelt. „Gand“ bedeutet Astralreise und „alf“ ist weiß. So trägt Gandalf der Graue bereits seine wahre Bestimmung in seinem Namen: nach dem Kampf gegen Balrog tritt er seine Astralreise an und wird wiedergeboren als Gandalf der Weiße.
Unter dem etymologischen Aspekt der Heldennamen wird die gesamte Geschichte in Mittelerde plötzlich zu einem einzigen Spiel mit der Sprache! Tolkien selbst nennt seine Wortkreation „Smaug“ „einen billigen philologischen Scherz“.
Und warum sind ausgerechnet Gollum, die Hobbits Bilbo und schließlich Frodo die Ringträger? Ist auch das nur eine linguistische Spielerei? VIELLEICHT! Denn beim in englischsprachigen Ländern beliebten Spiel „Game of Hob“ sollen flache Eisenringe über einen Stab geworfen werden, der in der Erde steckt. Nomen est Omen?
Der kanadische Autor David Day ist Experte für das Leben und Werk Tolkiens und verfasste selbst zahlreiche Kinder- und Sachbücher. Hier gelingt ihm eine sehr kurzweilige Darstellung und leicht verständliche Erklärung zu Tolkiens Wortspielen und mythischen Verstrickungen. Optisch wirkt der Band durch die einfachen Zeichnungen und Aquarelle von Lidia Postma wie ein Kinderbuch. Der Inhalt wird aber wohl nur von echten Tolkien-Fans und guten Kennern des HdR-Epos in seiner Komplexität verstanden werden. Und auch hier nur von denjenigen, die sich für Linguistik und die europäische Mythologie interessieren.
Speziell, aber durchaus lohnend und für Mittelerde-Experten sehr bereichernd!
Biene Tanner

Day, David - Das Buch von den Hobbits
Ill. von Lidia Postma. Hildesheim: Gerstenberg 2015. 92 S. : zahlr. Ill. - fest geb. : € 15,50 (JE)
ISBN 978-3-8369-2793-2
Aus dem Engl. von Hans-Heinrich Wellmann


 

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