Bücherschau

Hirn, Lisz - Wer braucht Superhelden

Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten
Mit „Wer braucht Superhelden“ hat die 1984 geborene österreichische Philosophin Lisz Hirn ein weiteres leichtfüßiges Buch über gängige Klischees und deren kulturgeschichtliche Hintergründe vorgelegt. 2019 erschien, ebenfalls im Molden Verlag, „Geht’s noch! Warum die konservative Wende für Frauen gefährlich ist“. Nun sind es also die „männlichen“ „Superhelden“, denen die medial stark präsente Publizistin und Dozentin ein Buch gewidmet hat. 
Und genau dieses „die“ macht es zugleich eingängig − und eindimensional. Geht es doch in keiner Weise um eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Phänomen, sondern mehr um ein wild durch die Zeiten und Genres streifendes Klischeebummeln: Helden sind, so die Grundthese, die Hirn freilich bald schon widerlegt, „harte Männer“, Superman der Vertreter des aufklärerischen Imperativs Kant’scher Prägung und „der Superheld der perfekte Untertan“ nach Mann’schem Vorbild. Hirn hebt dabei für sie wesentliche Stellen ihres langen Essays grafisch besonders hervor, etwa, dass „die emanzipierte, selbstständige Frau“ „viele in ihrer Männlichkeit verunsichert“ oder „dass wir alle ein Problem bekommen, wenn Männer glauben, dass Männlichkeit ausschließlich auf Macht, Gewalt, sexueller Potenz und Stärke basiert“. 
Freilich ist die Autorin nicht so naiv, der Leser*innenschaft weismachen zu wollen, dass ihr „die“ Männer wirklich „alle“ Männer umfasst. Vielmehr geht es um ein „falsches Verständnis davon, wie ein Mann zu sein hat“, denn: „Man kommt nicht als Mann zu Welt, man wird es.“ Und: „Männlichkeit hat sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert und ist keineswegs so statisch, wie konservative und rechtspopulistische Kräfte gerne behaupten.“ 
Solche und zahlreiche weitere Statements, die Hirn im philosophisch-kulturhistorischen Flugmodus aufbereitet, machen ihr Superhelden-Buch zu einer über weite Strecken unterhaltenden Lektüre für alle, die sich gerne an Gemeinplätzen reiben, die mit Phrasen wie „historisch gesehen“, „in erster Linie“ oder „ein Schritt wäre getan“, „da ist Zeit Geld“ und „der Krieg ist der Vater aller Dinge“ eingeführt werden. Hirn endet mit der Auflistung „vier gängiger Irrtümer, die jeder [!] kennen sollte“, und stellt zuletzt fest, dass Philosophie und Vernunft uns die Werkzeuge liefern, „mit Begriffen und Ideen ,unsere‘ Welt verstehen zu lernen“. „Wer braucht Superhelden“ liefert dazu einen leicht verständlichen, wenn auch nur kleinen Beitrag. 
Angela Heide
 
Hirn, Lisz - Wer braucht Superhelden
Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten. Wien: Molden 2020. 160 S. - fest geb. : € 22,00 (GS)
ISBN 978-3-222-15050-0

 

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