Bücherschau

Meschik, Lukas - Planeten

Gedichte
In fünf Kapiteln bewegt sich ein lyrisches, belesenes Ich durch die Stadt. Die Stadt ist Wien, die Heimatstadt von Lukas Meschik, der sich mit Romanen wie „Vaterbuch“ im Literaturbetrieb etabliert hat. Mit einem Auszug aus diesem Roman war er beim Bachmannwettbewerb 2019 eingeladen. Mit „Planeten“ stellt er seinen ersten Lyrikband vor. Ein belesenes, lyrisches Ich schlendert also durch Wien, durch den Stadtpark, fährt mit der U-Bahn, geht in den Supermarkt und ins Schweizerhaus, lauscht, denkt, und nimmt wahr. Dabei lässt er Bücher, Autor*innen, Songwriter und mehr durch die Gedichte blinzeln. 
Obgleich Meschiks Lyrik alltagsbezogen, voller Gefühle und starken Bildern ist; mit Begegnungen und wortloser Kommunikation, welche nur Dichtern eigen ist: „… Ein Mann sagt, dass er weint / Wenn Weinen hilft / Heute fühlt er sich besonders tot // Und er schlichtet die Scherben / Mit suchendem Fuß / Als wären sie er selbst“ („Thekentoter“, S. 37). Und manches Mal philosophiert Lukas Meschik beim Dichten über Banalitäten, die dann eine ganz neue Dimension bekommen, wie in „Die Leere danach“ (S. 73): „Die Leere danach / Ist anders als die Leere / Vor der keine Fülle war / Wie die Stille danach / Anders ist als die Stille / Der kein Laut vorausging“. 
„Planeten“ ist ein feiner, spannender und vielschichtiger Gedichtband, der immer eine Entdeckung parat hält. In vielen Gedichten kann auch der Musiker Lukas Meschik wahrgenommen werden. Das sogenannte Titelgedicht bildet den Schluss des Bandes und einen eigenwilligen Ausblick, der zum Denken anregt: „Wir sind Planeten / Unser Abstand gesund / Nicht weil es so ist / Weil es nicht anders ist // Sind wir Planeten“. 
Rudolf Kraus
 
Meschik, Lukas - Planeten
Gedichte. Innsbruck: Limbus 2020. 94 S. - fest geb. : € 15,00 (DL)
ISBN 978-3-99039-188-4

 

 

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