Bücherschau

Hakl, Emil - Regeln des lächerlichen Benehmens

Ein mal komischer, lächerlicher und oft tieftrauriger Roman

Emil Hakls aktueller Roman startet mit einem Gleitschirmflug seines Anti-Heldens Honza. Von zwei bekannten, jungen Männern, Murgy und Rulpo, hat sich der rund Fünfzigjährige zu diesem waghalsigen Abenteuer überreden lassen. Vor dem Start wirft er zur Sicherheit noch ein „Tafil“, ein angstlösendes Psychopharmarkum, ein, um den Flug ohne größere Turbulenzen überstehen. Honza ist so etwas wie eine lokale und traurige Berühmtheit. Durch eine übermütige Aktion in einer Kneipe wurde er zum Werbegesicht der Tschechischen Staatsbahnen: als Franz Josef I., als Schwejk und als „grenzdebiler mährischer Trachtenseppel" glänzt er auf Plakaten im ganzen Land – und irgendwie hat er ja von allem ein wenig. Honza war oder ist wohl eine stattliche, aber ein wenig verwahrloste Erscheinung. Er ist als Werbegesicht der Eisenbahnkampagne inzwischen weitaus bekannter als als Schriftsteller. Er hat auch irgendwo eine Tochter, die er nicht kennt. Bei seinen Beziehungen braucht er wenig Nähe, aber viel Distanz, was nicht immer gelingt und seine weiblichen Bekanntschaften zu nächtlichen Anrufen treibt. Honza stolpert so durchs Leben, aber versucht dabei immer Haltung zu bewahren.
Im zweiten Teil des Buches wird ihm die spürbare Endlichkeit des Lebens im nahenden Tod seines eigenen Vaters Ivan deutlich und bewusst. Er begleitet ihn auf seinen Wunsch ins Spital und über längere Telefonate kommt es zu Annäherungsversuchen zwischen den beiden, die sich vor Jahren schon weit voneinander entfernt haben.
Im dritten Teil schließlich erfüllt Honza seinem Vater, den letzten Wunsch: Er reist mit dessen Urne und seinen beiden jungen Freunden ins Donaudelta, Richtung Schwarzes Meer, um die Urne dort im Meer zu verstreuen.
Emil Hakl ist ein komischer und poetischer Roman zugleich gelungen: Das Leben ist ernst, aber deshalb sollte man es nicht so nehmen. In poetischen Bildern zeigt er Honzas Versuche dem fortschreitenden Alter nicht mit Resignation, sondern Würde zu begegnen, was in diesem Fall mal komisch, lächerlich und oft tieftraurig sein kann.
Julie August

Hakl, Emil: Regeln des lächerlichen Benehmens
Roman. Wien: Braumüller 2013. 191 S. - fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-99200-083-8
Aus dem Tschech. von Mirko Kraetsch

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