Bücherschau

Bannalec, Jean-Luc: Bretonische Brandung

Kommissar Dupins zweiter Fall

Nach Bannalecs Erfolg „Bretonnische Verhältnisse“ folgt nun der zweite Fall für Kommissar Dupin und seine Kollegen. Ich habe immer geglaubt, ich kenne die Bretagne, weil ich in St. Malo und in der Klosteranlage von Mt. St. Michel war und mit dem Leihwagen über Dinan bis nach Nantes und von Auray wieder in den Norden nach Saint Brieuc und zum Cap Frehel gefahren bin. Doch weit gefehlt! Jean-Luc Bannalec ist der wahre Kenner! Er lebt sogar bisweilen im südlichen Finistere.

In diesem Roman gibt der Autor einen Einblick auf den Süden, die Küste der Bretagne bei Quimper und die sagenumwobenen Iles de Glenan, wo ein weißer Sandstrand und kristallklares Wasser das Paradies für Taucher und Segler bilden. Dass eines Tages drei Leichen dort angespült werden, bedeutet für Kommissar Dupin nichts Gutes, obwohl anfangs alles auf einen tödlichen Bootsunfall hinweist. Bald stellt sich heraus, dass einer der Toten ein skrupelloser Unternehmer und der zweite ein gefeierter Segler ist. Der dritte Tote bleibt länger unbekannt. Doch bald erweist es sich, dass es sich um Mord handelt! Die drei Männer wurden durch tödliche Cocktails außer Gefecht gesetzt und über Bord geschmissen.

Ein Mord, der eine Tat rächt, die viele Jahre zurückliegt, eine damalige Unterlassung mit tödlichen Folgen, die aus Habgier und Neid begangen wurde. Kommissar Dupin zeigt in seiner Souveränität bisweilen Parallelen zu Größen wie Maigret. Dennoch erweist sich die Geschichte streckenweise als sperrig, die Einbeziehung der atemberaubenden Landschaft ist bisweilen zu plakativ und trägt den offensichtlichen Touch einer Regionalwerbung. Wen dies nicht stört, der kann auch den zweiten Roman Bannalecs bedenkenlos genießen!

Peter Lauda

Bannalec, Jean-Luc - Bretonische Brandung
Kommissar Dupins zweiter Fall. Kriminalroman. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2013. 352 S. - br. : € 15,50 (DR)
ISBN 978-3-462-04496-6

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