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Bücherei.at

Optimale Bestandspräsentation in Büchereien. Zur Verwertbarkeit der Strategien des Einzelhandels

Auszug aus der Projektarbeit von Michael Sator, Büchereien Wien

Die optimale Medienpräsentation einer öffentlichen  Bücherei ist eine umsatzorientierte Medienpräsentation. Eine Steigerung der Ausleihzahlen ist auch im Sinne unseres sozialen Auftrags als öffentliche Einrichtung: Erhöhung der  Lese- und Sprachenkompetenz, Unterstützung kritischen Denkens, verantwortungsvoller Einsatz der öffentlichen Geldmittel, Verbreitung von Spaß und Vergnügen und andere Zielvorstellungen, können mit einer Hebung des Medienumsatzes der Wiener Büchereien ein hergehen. Ob es sich um Bestseller oder einen Essay über die Poetik mittelalterlicher Schuhsohlen handelt, Bücher werden angeboten, damit sie gelesen werden. Medien werden den LeserInnen der Büchereien oft anhand profunder Erfahrungswerte präsentiert. Per Trial and Error können neue Wege gefunden werden, oder man landet  in Sackgassen. Blinde Umbauaktionen sind selten von Erfolg gekrönt. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her gesehen wäre Expertenwissen zur umsatzorientierten Präsentation vorteilhaft. Dieses würde eine Zeit- und Arbeitsersparnis bedeuten. Wie zu zeigen sein wird, hat die bibliothekswissenschaftliche Literatur erstaunlich wenig zu diesem nicht unerheblichen Thema zu sagen. Das gesuchte Expertenwissen muss also anderswo gefunden werden, nämlich im Bereich Einzelhandel. Leitfrage: Lässt sich dieses Expertenwissen des Einzelhandels auf die bibliothekarische Bestandspräsentation anwenden? Eine umsatzorientierte kommerzielle Ladenplanung wendet gefinkelte Methoden an, um a) den KundInnen bessere  Orientierung  in einer komplexen Umgebung wie dem Verkaufsraum zu ermöglichen, sowie b) ihnen ein schönes Einkaufserlebnis zu ermöglichen, welches als eine durchdachte  Verführung inszeniert wird. Es deuten sich also fruchtbare Synergien zwischen Handel und Büchereien an, welche in dieser Projektarbeit herausgearbeitet werden sollen. Leitfrage: Wie ist die Analogie zwischen Ladenplanung und Büchereigestaltung konkret zu denken? Diese Arbeit hat zwei praktische Konsequenzen: Begleitend zur Abfassung der Arbeit wurde die Medienaufstellung in einer Zweigstelle der Büchereien Wien (BW32) sukzessive korrigiert. Diese Umstellungsmaßnahmen werden dokumentiert. Zum anderen wird ein Manual zur Medienpräsentation vorgestellt, welches  sich als eine Hilfestellung für BibliothekarInnen versteht. Leitfrage: Inwiefern liessen sich die Überlegungen dieser theoretischen Arbeit umsetzen? An welche Grenzen stiess der Autor?   

Großes Schweigen der Bibliothekswissenschaften?
Dass den Medienbeständen einer Bibliothek - nicht nur im Sinne der Auswahl, sondern auch im Sinne der Präsentation und Art der Darbietung -  besondere Aufmerksamkeit zukommen sollte, ist eigentlich klar. Und doch lässt sich in der bibliothekarischen Fachliteratur zum Thema Bestandspräsentation eine eigentümliche Schieflage erkennen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen stets umfassende, „innovative“, „moderne“, oder „nutzerfreundliche“ Bibliothekskonzepte, die ihre Überzeugungskraft gegenüber den Geld gebenden Trägerschaften geltend machen wollen und sich vornehmlich an Großbibliotheken und an Entscheidungsträger wenden. Sei es die mittlerweile in die Jahre gekommene „Dreigeteilte Bibliothek“, die „Fraktale Bibliothek“, die Implementierung von Kabinetten (Bücherhalle Harburg), oder von Colleges (Hauptbücherei Wien) – gedacht wird stets vom Reißbrett aus, von der Perspektive der Bibliotheksplanung her.   Dreiteilungen und Fraktalisierungen Es folgt ein kurzer Überblick über stilbildende Bibliothekskonzepte des deutschsprachigen Raums. Die sogenannte Dreigeteilte Bibliothek wurde von Heinz Emunds für die Stadtbibliothek Münster entwickelt und 1976 vorgestellt. Im Jahre 1984 wurde mit der Stadtbibliothek Gütersloh der erste Neubau nach diesem Grundprinzip errichtet. Im Zentrum der Überlegungen steht die „Benutzungsentsprechung“, das meint ein Präsentationskonzept, welches sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der  LeserInnen orientieren möchte. Man erkannte, dass eine aus rein bibliothekarischer Perspektive gedachte Ordnungsstruktur an ihre Grenzen stößt. Die tatsächlichen Bedürfnisse des Lesers sollten über die sehr speziellen arteigenen Ordnungsbedürfnisse der BibliothekarInnen gestellt werden. Sämtliche Veränderungen des Bestands mussten durch ein positives Benutzerverhalten gerechtfertigt sein. Diese Wende war zu ihrer Zeit neu und origine ll. Allzu locker wurden die Zügel aber nicht gelassen, die Leserinteressen wurden nämlich  in ein Schema gebracht. Es wurden ein Themeninteresse, ein Titelinteresse und ein „drittes“ Interesse definiert, worauf hier aber nicht weiter eingegangen werden muss. Der ganze Bibliotheksbestand wurde darüber hinaus in drei Bereiche gegliedert: • Nahbereich • Mittelbereich • Fernbereich Im Nahbereich werden Neuerscheinungen präsentiert,  es werden Schwerpunktaktionen zu bestimmten aktuellen Themen durchgeführt, Infobroschüren werden ausgelegt und es werden Lexika aufgestellt. Der Nahbereich soll sich in der Nähe des Eingangsbereichs befinden und geizt nicht mit Frontalpräsentationen. Interessant  an dem Konzept des Nahbereichs ist die Orientierung an einer „Art Warenhausmethode“. Von Kaufhäusern hat man sich die Form der Präsentation der Sonderangebote und Neuheiten abgeschaut. Der Mittelbereich ist der Bereich der traditionellen Freihandaufstellung. Er  beherbergt die meisten Medien und ist nach der Systematik geordnet. Der Fernbereich ist das Magazin. Die sogenannte Fraktale Bibliothek entwickelte sich Anfang der Neunziger im Umfeld der Paderborner Stadtbücherei. Der Begriff Fraktale Bibliothek wurde Konzepten der Industrie zu einer „Fraktalen Fabrik“ entlehnt, weil „dessen  strukturelle Eigenschaften frappierende Ähnlichkeit zur Idee einer in Kabinette gegliederten Bibliothek aufweisen“ Man begann die Bibliotheken zu dezentralisieren und wandte sich verstärkt Sachgruppen, also thematisch ausgerichteten Verbundpräsentationen der Medien zu. Die einzelnen Sachgruppenbereiche erhielten dann die Struktur der Emundschen Dreiteilung in Nahbereich, Mittelbereich und Fernbereich. Der Nahbereich wurde nun also aufgefächert und ist als einheitlicher Bereich nicht mehr vorhanden. Neben der räumlichen Dezentralisierung fand auch eine organisatorische Dezentralisierung der Verwaltung statt. Es wurden „operativ teilautonome Mitarbeiterteams [gebildet], deren Handeln durch größtmögliche Benutzernähe gekennzeichnet ist“. Und: Bibliotheken, die dem Konzept einer Fraktalen Bibliothek folgen, sparen vor allem Personalkosten im Verwaltungssektor. Durch die Einbindung der Mitarbeiter der einzelnen Fachgebiete in sämtliche Bereiche der Medienbearbeitung (Katalogisierung, ggf. inhaltliche Erschließung, Bestandspräsentation, Auskunft etc.)  wird zudem der Arbeitsalltag vielseitiger. Die Hauptbücherei Wien besitzt ebenfalls eine solche fraktale Struktur. Die einzelnen teilautonomen Abteilungen werden hier Colleges genannt. Die Medienbestände werden nach den Colleges ausgerichtet. Das heißt, es wird auch  hier mit dem Ziel der Nutzerorientierung der Schritt weg von der Systematik, hin zur thematischen Aufstellung gewagt, indem den jeweiligen Collegebeständen bestimmte Farben zugeordnet werden.   





Die gesamte Projektarbeit von Michael Sator kann unter https://www.bvoe.at/aus-_und_fortbildung/projektarbeiten/optimale_bestandspraesentation_in_buechereien eingesehen werden.


 

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