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Bücherei.at

Untersuchung der Anwendung auf Web 2.0 basierender Ressourcen in der globalen Bibliothekswelt

Auszug aus der Projektarbeit von Robert Harlander

Die Arbeit untersucht zu Beginn die Entwicklung des Web 2.0 und den Einsatz sozialer Medien im Allgemeinen. Vom Beginn dieser Entwicklung über die gegenwärtige Situation wird der Blick auf eine mögliche Zukunft geworfen. An den gegenwärtig vier größten Anbietern werden Stärken und Schwächen der verschiedenen Anwendungen beschrieben. Anschließend wird ein Social-Media-Check für die Bibliothek 2.0 durchgeführt, unter anderem mit dem für Bibliotheken neuartigen Thema „Social Gaming“ und der immer schwieriger werdenden Problematik des Datenschutzes. Drei per e-mail durchgeführte Interviews geben Einblick in den Umgang anglo- amerikanischer Bibliotheksinstitutionen mit der Herausforderung des Web 2.0 und eine e-marketing Expertin erläutert die gegenwärtigen Trends, sowie deren Umsetzbarkeit für öffentliche Bibliotheken. Die Projektarbeit schließt mit der Beschreibung zweier im Rahmen dieser Arbeit praktisch umgesetzten Projekte, einer virtuellen Tour durch die Stadt:Bibliothek Salzburg, sowie eines Bibliotheksblogs.

Ziele/Leitfragen
a) Wie hat die Etablierung des Web 2.0, der Einsatz Sozialer Medien, die
globale, virtuelle Welt verändert?
b) Welche Chancen und Risiken bieten diese Plattformen, welche Trends
zeichnen sich ab, wie könnte die Zukunft aussehen?
c) Wie sieht der Umgang der Bibliotheken aus anderen Teilen der Welt mit
dem Angebot der sozialen Medien aus und was kann man daraus für die
heimischen Institutionen erschließen?

Ausgangslage der Stadt:Bibliothek Salzburg
Die Stadt:Bibliothek Salzburg wurde im Jänner 2009, als Bestandteil der „Neuen Mitte Lehen“ dem größten und bewohnerreichsten Stadtteil Salzburgs, eröffnet. Auf 5000 m² Fläche, erstreckt über drei Etagen, werden ca. 180.000 Medien, Belletristik, Sach- und Hörbücher, DVD`s, CD`s, CD-Rom`s,Noten, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene Angeboten. Das Medienangebot für Kinder und Jugendliche ist von dem für Erwachsene räumlich getrennt. Seit die Stadt:Bibliothek Salzburg in Lehen angesiedelt ist, überschritten die Ausleihzahlen die Millionengrenze. Im Jahr 2011 wurde diese Marke bereits im Oktober erreicht. Mit dem Online Public Access Catalogue (OPAC) System ist es dem Leser möglich, nicht nur vor Ort sondern auch von zu Hause aus, seine Medien zu recherchieren, vorzubestellen und die eigenen Benutzerkonten zu verwalten. Seit dem Jahr 2010 ermöglicht die Stadt:Bibliothek mittels einer digitalen Bibliothek einen neuen Service zum Download von elektronischen Medien wie e-books, e-papers, e-audios, e-music und e-videos. Dieses Angebot steht allen Lesern mit Bibliotheksausweis zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg ist der e-Medienbestand bis Februar diesen Jahres auf 15.000 verschiedene Medien angestiegen. Die e-medien sind geeignet für die Systeme Microsoft Windows, MAC OS, LINUX, E-Book Reader, Smartphone, Tablet PC und auch MP3-Player, die jeweiligen Funktionsvoraussetzungen, Kompatibilitätslisten und auch Step-by-Step-Anleitungen sind auf der Homepage der Stadt:Bibliothek aufgeführt. Neu, seit Ende des Jahres 2011, ist das Angebot zum kostenlosen Download von App‘s für iPad/iPhone und Android-Geräten über itune store bzw. android market. Nachfolgend eine kurze Erläuterung anhand der „onleihe“ app für iPad/iPhone.

Um diesen Service nutzen zu können muss man Mitglied einer unterstützten Bibliothek sein. Derzeit handelt es sich hier um über 200 Einrichtungen im deutschsprachigen Raum. Voraussetzung ist die Installation eines Bluefire eBook Readers. Der Ausleihvorgang verhält sich wie bei der web-basierenden Onleihe. Eine übersichtliche Gliederung macht das Stöbern einfach, ebenso sind Leseproben und Vormerkungen möglich. Benachrichtigungen erfolgen per e-Mail.
Die Neuerscheinungen bei e-medien werden monatlich upgedatet und die verschiedenen Themenbereiche als eigene Downloadlisten angeboten. Seit Februar 2012 werden seitens der Stadt:Bibliothek, vor allem aufgrund der Wünsche und Anregungen jüngerer Leser, Videospiele angeboten. Gestartet wurde mit einer Serie von 54 Play Station 3 Spielen. Die Erweiterung dieses Bestandes ist bereits fix eingeplant, ein weiterer Ausbau dieses Bereichs mittels Wii und XBOX ist angedacht. Weiters wurde, Mitte des Jahres 2011, eine virtuelle Tour durch die Stadt:Bibliothek realisiert, diese ist ebenfalls über die Homepage der Stadt:Bibliothek erreichbar. Die Entwicklung und Realisierung dieser Tour war praktischer Teil dieser Projektarbeit, daher dazu später mehr (Kapitel: 7.1.). Mit all diesen beschriebenen Neuerungen bzw. Innovationen setzte die Stadt:Bibliothek Salzburg konsequente Schritte, die bestehende Modernität nicht nur zu erhalten, sondern auch darüber hinausgehend für die Zukunft gerüstet zu sein. Die „virtuelle“ Bibliothek nimmt immer mehr Platz ein und mit dem gerade entstehenden Facebook-Auftritts des Magistrates der Stadt Salzburg, sowie der Realisierung eines eigenen Bibliotheks-Blogs (ebenso praktischer Teil dieser Projektarbeit – siehe Kapitel: 7.2.), verschmilzt diese Virtualität bereits mit der interaktiven, kooperativen Welt des Web 2.0.

Die Entwicklungsphasen des Web 2.0
Man könnte Tim O‘Reilly als Leitfigur des Konzeptes Web 2.0 benennen (O‘Reilly, Tim : What is Web 2.0? Designpatterns and Business Models for the Next Generation of Software. – Auch Online unter http://www.oreilly.de/artikel/web20.html). Bei einer Konferenz im Jahre 2004 bezeichnete er das Web 2.0 als Konzept, bzw. Prinzip eines neuen wiedergekehrten Internets. Man hatte erkannt, dass das „neue“ Internet zu einer Plattform wurde welches das Prinzip der kollektiven Intelligenz in den Vordergrund stellte. Größte technologische Errungenschaft: Eine Plattform welche via Webbrowser erreicht werden konnte und die Installation einer Software nicht mehr benötigte.
Der Bergriff Web 2.0 ist eine Versionierung, ein „Branding“, dass sich im alltäglichen Sprachgebrauch durchgesetzt hat. Der Zusatz „2.0“ ist mittlerweile populär geworden. Er wird auch für viele andere Bereiche verwendet, deren Weiterentwicklung bzw. deren Eintritt in das neue Web eng mit der Welt des Web 2.0 verwoben ist. So lehnt sich z.B. d er Begriff Bibliothek 2.0 (engl. Library 2.0) an diese Begrifflichkeit an. Auf der technologischen Grundlage des Web 2.0 baut eine Gruppe von Internetanwendungen auf, die als Soziale Medien (engl. Social Media) bezeichnet werden, da sie die Erstellung benutzerdefinierter Inhalte (engl. User Generated Content), deren Veröffentlichung und deren interaktiven Austausch ermöglichen. Die Zugänglichkeit ist ebenso wie die Bedienung problemlos, der Kostenfaktor gering, weiters macht die globale Internettechnologie eine immense Informationsverbreitung in „Echtzeit“ möglich. Durch Kollaboration entstehen Netzwerkgesellschaften, der passiv Benutzende (engl. User) wird zum Lenker, zum Produzenten seiner eigenen Geschichten, Ideen und Informationen (vgl. LIBREAS 2007). Im Positiven wie im Negativen kommt es zu einer Demokratisierung von Wissen. Althergebrachte Medien wie Fernsehen und Zeitung müssen sich anpassen oder sie gehen unter, mittels Twitter, Facebook & Co. werden Diktatoren gestürzt und Präsidenten gemacht. Als herausragendes Beispiel, das social-medias auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte, sei hier der Wahlkampf des derzeitigen US-Präsidenten Barack Obama erwähnt. MySpace, Facebook und Twitter trugen nicht zu einem geringen Teil zu seiner Election teil( vgl. Puchler 2010: S. 77 f). Können auch Bibliotheken gemacht oder gestürzt werden? Ist der Bibliothekar nicht schon durch Suchmaschinen und andere interaktive Plattformen ersetzt? Schon Mitte des letzten Jahrzehntes wurde diese Frage gestellt. Hans- Christoph Hobohm geht in einem Vortrag (LIBREAS 2007 : S. 2ff) davon aus, dass hier eine Verwechslung von Information und Informationstechnik vorliege, das Thema durch die IKT-Industrie dominiert werde und die Stimmen von Zivilgesellschaft und Informationswissenschaft ausgeblendet werden. Später habe sich das oben genannte „Branding“ - Web 2.0 – zwar durchgesetzt, allerdings aufgrund der Tatsache, dass es sich schlicht um eine erfolgreiche Bezeichnung handelte. Ein Paradigmenwechsel zur „sozialen“ Information war längst vonstatten gegangen. Eine Stärkung inhaltlicher, nicht primär technologischer Trends.
Auch Zukunftswerkstätten beschäftigen sich mit der Frage der Bibliotheksentwicklung. Dr. Wendy Schultz (vgl. Schultz 2006) beschäftigte sich für das Online Computer Library Center (OCLC) mit ihrem Artikel „On the way to the library experience of the future“ mit der Zukunft des Bibliothekswesens. Bevor sie mit ihrer Abhandlung schon bei der Bibliothek von Alexandria – Versionsbezeichnung „1.0“ - beginnt, erläutert sie, wie die Entwicklung von der Handelsware Buch, zum Produkt und schließlich über das Service zur Erfahrung wird. Bibliotheken seien nicht nur Teil einer Gesellschaft, sondern eigene Gemeinschaften. Die Bibliotheken der Version „1.0“ gehen bis in das Industriezeitalter, sie sind Basen des Wissens, unterstützen innovative Prozesse und wollen Zeugen des Vergangenen sein, aber auch den Blick in die Zukunft ermöglichen. Bei der Version „2.0“ geht es um die Informationsgesellschaft. Informationen werden immer stärker dematerialisiert, dezentralisiert. Die Bibliothek ist global, barrierefrei, arbeitet ähnlich wie z.B. Amazon, die Leser können eigene Schlagworte setzen und kommentieren. Allerdings sind die Leser jeglicher Art von Manipulation ausgesetzt und da Information immer mehr Macht bedeutet brauchen die Menschen erfahrenes Geleit, den Bibliothekar, die Institution Bibliothek, durch das Dickicht der angebotenen Ressourcen. Bei der Version „3.0“, so Schultz, werden die Leser eher Bibliothekare sammeln als Bücher, ähnlich wie bei Amazon könnten Bewertungen der virtuellen Bibliothekare ausschlaggebend sein, nicht mehr aber die Bewertung von Büchern und anderen Medien. In einer total virtualisierten, online dominierten Welt werden die User immer noch auf kompetente Beratung angewiesen sein, aber der Leser der Zukunft sucht sich seinen Avatar-Bibliothekar persönlich aus. Dieser hat (Anm.: immerhin in 3D) die Kompetenz sich komplexen Materien schnell nähern zu können. Für den Leser ergibt sich also nicht mehr die Notwendigkeit eigene Nachforschungen anstellen zu müssen. Abschließend die Version „4.0“. Hier wird die virtuelle Realität von der erweiterten, semantischen Realität (engl. augmented reality) abgelöst. Hier wird der Schritt zum inspirierenden Wissensareal gegangen. In dieser Bibliothek darf keine Technologie die Kreativität und Ideenfindung stören. Eine Komfortzone innerhalb einer ständig gegenwärtigen, durch neuesten Technologien und Vernetzungszwängen durchgestylten Welt. Hauptinhalt ist das Buch und freier, intellektueller Austausch – eben ein Ort an dem wieder vollkommen neue Ideen entstehen können (http://www.oclc.org/nextspace/002/6.htm – 16.11.2011; – Dr. Wendy Schultz).




Die gesamte Projektarbeit von Robert Harlander (Bibliothekar in der Stadt:Bibliothek Salzburg) kann unter http://www.projektarbeiten.bvoe.at/HarlanderRobert.pdf eingesehen werden.


 

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