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Bücherei.at

The right to e-read. Legalize it!

Ute Weiner über die österreichweite Informationskampagne für das Recht, den Ankauf, den Verleih und das Lesen von E-Books in Öffentlichen Bibliotheken sicherzustellen

Seitdem im Jahr 2009 die ersten öffentlichen Büchereien in Österreich begonnen haben, digitale Leseangebote zur Verfügung zu stellen, hat sich sowohl die Zahl der anbietenden Bibliotheken und angebotenen Bücher als auch die Zahl der Leser/innen und Entlehnungen vervielfacht. Mittlerweile findet sich in jedem Bundesland zumindest eine Möglichkeit, über eine Mitgliedschaft bei einer der mehr als 500 anbietenden Bibliotheken e-Books zu entlehnen. Interessant zu beobachten ist, dass keineswegs nur jüngere Bibliotheksbenutzer/innen das digitale Angebot annehmen, sondern bei einigen Anbietern die Leser/innen 40+ oder 50+ sogar die größte Nutzergruppe stellen, weil etwa die Möglichkeit, die Schriftgröße dem individuellen Lesebedürfnis anzupassen, besonders geschätzt wird.

Somit kann festgestellt werden, dass sich die virtuelle Bibliothek, auch dank ihrer durch Unabhängigkeit von Standort und Öffnungszeiten permanenten Verfügbarkeit, als unverzichtbarer Bestandteil des bibliothekarischen Serviceangebots etabliert hat, wobei die Buchangebote aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch den größten Anteil an Entlehnungen ausmachen.

Umso bedauerlicher ist es daher, dass sich – da die rechtlichen Grundlagen für den Erwerb bzw. die Lizensierung sowie für den Verleih von e-Books nach wie vor unausgereift sind – Autor/innen, Verlage und Bibliotheken auf Grund unterschiedlicher Interessenlagen oftmals in einem derzeit nicht aufzulösenden Spannungsverhältnis befinden. Es muss allerdings betont werden, dass Bibliotheken immer daran gelegen war, sowohl die Rechte der Autor/innen als auch das demokratische Recht der Leser/innen auf niedrigschwelligen Zugang zu Informationen zu wahren.
Aber anders als im Print-Bereich, wo durch Bibliothekstantieme und Buchpreisbindung die Vergütung an die Autor/innen und der Einkaufspreis geregelt sind, daher sowohl die Verfasserrechte gewahrt als auch von Seiten der Bibliothek eine sachbezogene Budget- und damit einhergehend Bestandsaufbauplanung betrieben werden können, obliegt es im e-Book-Bereich ausschließlich den Verlagen, zu welchen finanziellen oder sonstigen Konditionen Bibliotheken digitale Medien erwerben bzw. lizensieren dürfen – sofern das e-Book-Angebot überhaupt auch von Bibliotheken genutzt werden darf.

Viele Verlage bieten ihre e-Books grundsätzlich nur für den Privaterwerb an, sodass nur etwas mehr als die Hälfte aller produzierten e-Books überhaupt ins bibliothekarische Angebot aufgenommen werden können. Und selbst dann verhindern die geltenden Marktbedingungen oftmals den Bestandsaufbau mit aktuellen Bestsellern, da diese für Bibliotheken häufig entweder zum mehrfachen Preis des Printbuchs oder erst mit erheblicher Verzögerung nach dem Erscheinungstermin zur Verfügung stehen. Somit befinden sich öffentliche Bibliotheken erstmals in der Situation, dass nicht die Nachfrage durch die Leser/innen, sondern die limitierte zur Verfügung stehende e-Book-Auswahl das bibliothekarische Angebot bestimmt. Hinzu kommt, dass e-Books nach wie vor nicht demselben verminderten Steuersatz wie Printpublikationen (in Österreich 10%), sondern dem österreichischen Regelsteuersatz von 20% unterliegen.

Betrachtet man all dies noch unter dem Gesichtspunkt, dass in der aktuellen Phase des Medienwandels Bibliotheken noch häufig vor der Notwendigkeit stehen, von relevanten Neuerscheinungen sowohl die Print- als auch die Digitalausgabe anzuschaffen, um alle Benutzerinteressen und Lesegewohnheiten bestmöglich abdecken zu können, wird sehr schnell deutlich, dass die derzeitige Situation relativ rasch zu einer Angebotsverschlechterung, da -verringerung, und somit zu erhöhter Unzufriedenheit bei den Leser/innen führen wird. Bibliotheken können sich in Zeiten stagnierender oder sogar sinkender Budgets die Versorgung mit aktueller Literatur nicht mehr im bislang gewohnten Umfang leisten. Spinnt man diesen Gedanken weiter, kommt man zu dem Schluss, dass damit auf längere Sicht gesehen vor allem Leser/innen, die nicht nur „Lesefutter“, sondern gezielt nach Autor/innen und Titeln suchen, aus der Bibliothek weg und hin zu kommerziellen Anbietern getrieben werden. Somit führt die Möglichkeit der digitalen Verfügbarkeit von Information, welche in ihrem Kern zu einer Demokratisierung des Wissens führen sollte, hier im Gegenteil zu einer sozialen Selektion, da bestimmte Lektüre in digitaler Form dann nur mehr denjenigen zur Verfügung steht, die sich den Erwerb bzw. die Lizensierung bei kommerziellen Anbietern leisten können.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich in den vergangenen Jahren zahlreiche bibliothekarische Fachtagungen mit dieser Problematik auseinandergesetzt haben, da sehr rasch absehbar war, von welch zentraler Bedeutung die Klärung aller rechtlichen Fragen und die möglichst rasche Beseitigung des unsicheren und unbefriedigenden Zustands für die zukünftige Gestaltung des medialen Angebots, und damit über kurz oder lang auch für die Zukunft der Bibliotheken an sich, ist.

Mit der Kampagne „The right to e-read“ hat es sich EBLIDA, der Europäische Verband der Bibliotheks-, Dokumentations- und Informationseinrichtungen, zum Ziel gesetzt, sowohl die Bibliotheksbenutzer/innen als auch die Presse und die politischen Entscheidungsträger für diese Problematik zu sensibilisieren und nachdrücklich eine rasche Lösung im Interesse aller Beteiligten zu fordern.

Wie sehen nun die Forderungen dieser Kampagne, die in Österreich vom Büchereiverband als Multiplikator getragen wird, im Detail aus (http://eread.bvoe.at/was-wir-wollen, Stand 28.02.2014): 

Was wir wollen
• Wir wollen unseren LeserInnen die neuesten E-Books, genauso wie die neuesten gedruckten Bücher, anbieten!
Aber manche Verlage verkaufen uns keine E-Book-Lizenzen. Eine Untersuchung zeigt, dass von den E-Books auf der Spiegel-Bestseller-Liste nur circa 50 Prozent für Bibliotheken und deren LeserInnen erhältlich sind.
• Wir wollen E-Books zu fairen Preisen und Konditionen von den Verlagen kaufen!
Aber viele Verlage verkaufen E-Books nur zu erhöhten Preisen oder gar nicht an Bibliotheken. Das geht zulasten der Angebote für unsere LeserInnen.
• Wir wollen den AutorInnen, wie für gedruckte Bücher, eine faire Vergütung in Form der Bibliothekstantieme für die Entlehnung von E-Books in Bibliotheken geben.
Derzeit erhalten AutorInnen hierfür gar nichts, da das Urheberrecht dies nicht als Entlehnung wertet.
• Wir wollen allen BürgerInnen – und nicht nur jenen, die es sich leisten können – freien Zugang zu E-Books in Öffentlichen Bibliotheken bieten.
Mit Hinweis auf das geltende Urheberrecht verweigern dies manche Verlage.
• Wir wollen daher ein präzises Urheberrecht, welches den Bibliotheken erlaubt – wie bei gedruckten Büchern – uneingeschränkt E-Books zu kaufen, zu verleihen und dafür den AutorInnen eine angemessene Vergütung zu erstatten.
Legalize it!

Die Bibliotheken sind aufgefordert, sich möglichst umfassend mit dem auf der eigens dafür eingerichteten Homepage http://eread.bvoe.at zum Download angebotenen Informationsmaterial zu versorgen und damit sowohl in den Bibliotheken direkt als auch auf ihren Internetseiten und Facebookauftritten auf die Kampagne und die damit verbundenen Anliegen hinzuweisen. Als Höhepunkt der Kampagne findet am 23. April, dem Welttag des Urheberrechts und des Buches, in allen teilnehmenden Ländern jeweils eine Pressekonferenz statt, die in Österreich vom Büchereiverband organisiert wird. Es wäre zudem wünschenswert, wenn zahlreiche Bibliotheken an diesem Tag zusätzliche unterstützende Informationsveranstaltungen anbieten könnten.


Ute Weiner ist Leiterin der AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften

 

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