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Bücherschau

Julya Rabinowich - Entwurzelt und umgetopft nach Wien

Marianne Sonntagbauer. Die Schriftstellerin, Dramatikerin, Malerin, Simultandolmetscherin und Kolumnistin Julya Rabinowich

Die österreichische Autorin mit russisch-jüdischen Wurzeln Julya Rabinowich ist nicht nur eine erfolgreiche Schriftstellerin und Autorin zahlreicher Bühnenstücke, sondern zudem ausgebildete Simultandolmetscherin mit Übersetzungserfahrungen. Erfahrungen, die sich nicht zuletzt auch in ihren literarischen Werken widerspiegeln.
Julya Rabinowich wurde 1970 in Leningrad, heute Sankt Petersburg, in eine Künstlerfamilie geboren. Ihr Vater, Boris Rabinovich, arbeitet als Architekt und Industriedesigner. Spätberufen studiert er an der Kunstakademie. Er ist Maler, Intellektueller, der Tochter ein großes Vorbild. Der Vater hieß Rabinovich. Es war sein Künstlername. „Aber weil er sich von der Familie nicht allzu weit entfernen wollte, änderte er nur einen Buchstaben“, so Julya Rabinowich. Erst nach der Emigration nach Wien wendet er sich ausschließlich der Kunst zu. Die Mutter, Nina Werzhbinskaja-Rabinowich, ist ebenfalls Malerin. Vor der Emigration arbeitet sie als Designerin und unterrichtet Kunst für Kinder am Pionierpalast. In Wien ist sie Designerin in der Wiener Emailmanufaktur Michaela Frey, unterrichtet Malerei für Erwachsene und Kinder und arbeitet hauptsächlich als freischaffende Malerin.

Emigration
Boris Rabinovich hat sich einer verbotenen Künstlergruppe angeschlossen. 1975 zeigt er seine Werke bei einer Ausstellung nonkonformistischer Kunst im Kulturpalast. Er wollte als freier Künstler leben, das war nicht möglich. Die Familie emigriert 1977 aufgrund der antisemitischen Stimmung im Zuge eines Flüchtling-Kontingentes für russische Juden nach Wien. Sie wird „entwurzelt und umgetopft nach Wien“. Die Großmutter mütterlicherseits Nora Gomberg-Werzhbinskaja, eine Kunsthistorikerin, emigriert ebenfalls mit ihnen.

Zeit in Wien
Die erste Zeit in Österreich ist für Julya Rabinowich sehr einschneidend. „Es war kein Schock, sondern eine Überflutung, eine Umwerfung sondergleichen“. Sie erlebt den Sprung ins kalte Wasser, als sie vollkommen deutschlos in der zweiten Klasse Volksschule landet. Es ist eine Herausforderung an ihre Lehrerin und sie. Julya Rabinowich, ein, wie sie selbst sagt, schwieriger Teenager im Wien der achtziger Jahre, beschließt sehr bald Deutsch mindestens so gut zu sprechen wie ihre Klassenkameraden. Wenn nicht besser. In Wien wird auch noch ihre Schwester Maria geboren.
Von 1993 bis 1996 studiert sie am Institut für Translationswissenschaften der Universität Wien die Sprachen Russisch und Deutsch. Ihre Tochter wird 1995 geboren. 1998 beginnt sie ein Studium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien mit dem Schwerpunkt Malerei und Philosophie, studiert in der Meisterklasse von Christian Ludwig Attersee und schließt 2006 mit dem Diplom ab. Ihre Diplomarbeit sind Ölbilder mit dominanten Rottönen zum Thema „Spaltkopf“, ein mythisches Monster, das sich „von den Gedanken und Gefühlen anderer ernährt“, wie es in ihrem ersten Buch heißt. Die Malerei ist familiär naheliegend gewesen, das Schreiben ihr eigener künstlerischer Ausdruck. Dabei habe das Malen durchaus ihr Schreiben beeinflusst.
Julya Rabinowich malt von klein auf. Für sie ist es völlig normal sich künstlerisch zu äußern, weil sie nichts anderes kennt. „Aber ich fühlte mich irgendwie verpflichtet, hinter meinen Eltern zurückzubleiben, sie nicht zu überholen, zu beschämen, zu erniedrigen“. Sie macht zusätzlich eine Psychotherapieausbildung. 2006 bis 2011 arbeitet sie als Dolmetscherin für das Wiener Integrationshaus und den Diakonie-Flüchtlingsdienst im Rahmen von Psychotherapie- und Psychiatriesitzungen mit Flüchtlingen. „Mittlerweile tue ich es nicht mehr, weil ich am Beginn meiner Tätigkeit noch nicht so viele Lesereisen hatte und es hat mich nervlich sehr ausgehöhlt“. Ab 2012 schreibt sie eine wöchentliche Kolumne („Geschüttelt, nicht gerührt“) im Album der Tageszeitung „Der Standard“, wo sie aktuelle Themen diskutiert.
Mit der Ausstellung „meeting jedermann: rabinovich revisited“ 2013 im Jüdischen Museum Wien erinnert Julya Rabinowich an ihren 1988 verstorbenen Vater Boris Rabinovich. Sie stellt den von ihr kuratierten Arbeiten ihres Vaters eigene Text- und Grafikarbeiten gegenüber. „Ich habe mich mit dieser Ausstellung befreit. Während der Arbeit daran überkamen mich geradezu Schwalle der Inspiration“, so Julya Rabinowich.
2003 beginnt sie zu schreiben und veröffentlicht ihre ersten Texte, Theaterstücke und Romane, alle aktuell, alle beachtet, alle irgendwie mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden. Sie wird für ihre bisherigen Veröffentlichungen mit zahlreichen Preisen, Auszeichnungen und Stipendien gewürdigt. „Ich schreibe, was ich sehe. Früher habe ich mit Farben gemalt, jetzt mit Worten“. Ihre 2003 erschienene Kurzgeschichte „Abgebissen, nicht abgerissen“ wird  mit dem Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ (Edition Exil) prämiert. Ab 2004 folgen einige Stipendien. Sie verarbeitet ihre Erlebnisse als Dolmetscherin bei Therapiesitzungen von Flüchtlingen und thematisiert ihre eigene Entwurzelung.
Ihre Theaterstücke wurden an verschiedenen Wiener Bühnen uraufgeführt. Flucht und Asyl sind Themen, die auch in ihren Theaterstücken immer wieder auftauchen. Dabei greift sie auf ihre Erfahrungen als Dolmetscherin für Flüchtlinge zurück. „Ich wurde von den „Wiener Wortstaetten“ eingeladen Theatertexte zu schreiben. Diese Umstellung hat mich gereizt. Auch das Malen hat mir beim Theater geholfen, weil es ein Mittel ist, sich Dinge sehr genau vorstellen zu können“.
Ihre erste Uraufführung „Nach der Grenze“ (2007) erzählt vom Zusammenleben verschiedener Nationen, Kulturen und Religionen in Wien. Zu Wort kommen eine Österreicherin, eine junge Studentin aus Polen, ein kubanischer Flüchtling und ein junger Mann aus Simbawe. Seither werden ihre Stücke an unterschiedlichen Bühnen gezeigt.
Im Musiktheater „Romeo +- Julia“ (2008) zeichnet Rabinowich ein ehemaliges Liebespaar, das außer schönen Erinnerungen nur noch wenig miteinander teilt. Nur der sentimentale Nachklang vergangener Tage hält die beiden noch zusammen.
„Orpheus im Nestroyhof“ (2008) macht die Unwiederbringlichkeit einer versunkenen Welt erlebbar.. Die Praterstraße war in den zwanziger Jahren der so genannte „Kleine Broadway” von Wien. Hier blühte eine Vielzahl an großen und kleinen Bühnen. In der Reichskristallnacht 1938 wurde auch die Welt der „Jüdischen Künstlerspiele“ im Nestroyhof endgültig zerstört.
„Fluchtarien“ (2009) handelt über das Schicksal von drei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nach Österreich flüchten mussten. Das gemeinsame Thema ist das der Entwurzelung, der Verfolgung, der Entfremdung und des Versuchs einer Neudefinition.  
In „Stück ohne Juden“ (2010) wird ein jüdischer Autor aus dem Osten beauftragt ein Stück über die Geschichte von jüdischen Theatern in Wien zu schreiben. Bei seiner Recherche findet er interessante Fakten über das Theater im Nestroyhof. Nach 1938 wurde es von den Nazis geschlossen. Die jüdischen Besitzer wurden enteignet und zur Flucht gezwungen. Diese historischen Fakten interessieren die Auftraggeber wenig, da sie nur für den Markt produzieren wollen. Nach den von ihnen vorgeschlagenen Änderungen bleibt vom Stück des Autors nicht mehr viel übrig. Es ist nur mehr ein „Stück ohne Juden“.
„Auftauchen. Eine Bestandsaufnahme“ (2010) ist ein Stück des Ausgeliefertseins. Drei Menschen sind teils freiwillig, teils erzwungen, verschwunden. Ein Mädchen befindet sich in einem Keller. Einem jungen Mann droht Blutrache. Eine Asylwerberin erhofft sich als U-Boot eine letzte Chance auf Sicherheit.
In „Porno“ (2011)  sind Männer und Frauen auf der Suche nach Liebe und Sex. Die Journalistin und Schriftstellerin Ela Angerer sammelte für das Buch „Porno“ im Czernin Verlag Texte zu diesen Themen, u. a. von Julya Rabinowich. Herausgekommen ist ein sehr persönlicher und oft intimer Einblick. Aus den Texten verfasst sie das gleichnamige Theaterstück, das unter ihrer Regie im Herbst 2011 im Wiener Rabenhof Theater uraufgeführt wird.
Im Stück „Tagfinsternis“ (2014, Landestheater Niederösterreich) lebt Eli seit zwei Jahren mit Frau, Tochter und Sohn in einem Flüchtlingsheim in Österreich, weil die Familie politisch verfolgt wurde. Sie hoffen seitdem auf die Genehmigung ihres Asylantrages. In dieser beklemmenden Situation zwischen Hoffnung und Angst kämpfen sie mit der inneren Zerrissenheit zwischen der alten und der neuen Heimat. Während die Eltern an den alten Traditionen festhalten, versucht die Tochter neuen Halt und Anschluss zu finden und stellt diese Traditionen in Frage.

In ihrem Prosa-Erstling „Spaltkopf“ (2008) beschreibt sie die Emigration einer russischen Familie in den Westen. Im Zentrum steht die Ich-Erzählerin Mischka, die zwischen ihrer Kindheit im Osten und der Gegenwart im Westen gespalten ist und sich im Exil einen eigenen Weg suchen muss. In der Metaphorik des Titels „Spaltkopf“ kommt dieser Identitätskonflikt beeindruckend zur Sprache. Julya Rabinowich überzeugt durch ihren Sinn für Groteske und Tragikomik. Nüchtern und überzeichnend zugleich beschreibt sie das Vakuum zwischen den Kulturen, in das einen die Emigration zu treiben vermag. Für ihren Debütroman, erschienen in der Wiener Edition Exil, wird sie 2009 mit dem Rauriser Literaturpreis für die beste Prosa-Erstveröffentlichung ausgezeichnet und in der Folge mit viel medialer Aufmerksamkeit bedacht.
Im Roman „Herznovelle“ (2011) muss sich die Ich-Erzählerin einer Herzoperation unterziehen, eine Erfahrung, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Nach ihrer Heimkehr findet die Frau keinen Weg mehr zurück in ihr altes Leben, in dem sie ein luxuriöses, langweiliges Hausfrauendasein mit ihrem Ehemann Bernhard führt. Der Arzt, der sie operierte, hat ihr Herz auch emotional berührt. Die Frau täuscht einen Notfall vor, landet wieder im Krankenhaus und lauert in der Folge auf Gelegenheiten, dem Arzt zu begegnen. Rabinowich besticht vor allem mit ihrem Sinn für tragikomische Situationen, etwa als sie auf dem Ärzteball statt dem Angebeteten ihren pensionierten Hausarzt trifft. Doch der Angebetete begreift ihr Sehnen nicht und wahrt vorschriftsmäßige Distanz. Traum und Wirklichkeit verschwimmen immer mehr. Ein Arzt hat ihr Leben gerettet, aber es ist nicht das alte Leben, das sie zurückbekommt, sondern es ist ein neues, in dem sie sich erst zurechtfinden muss. Es ist ein Text über die große Sehnsucht nach einem Leben vor dem Tod. Mit ihrer „Herznovelle“ hat sie eine ganz andere Richtung eingeschlagen, weg vom Thema Migration, das den Debütroman „Spaltkopf“ bestimmt. Julya Rabinowich steht dem Begriff der „Migrantenliteratur“ kritisch gegenüber. Sie empfindet diese Kategorisierung sogar als geradezu rassistisch, weil sie ihrer Ansicht nach vor allem abschätzig verwendet wird.
In „Die Erdfresserin“ (2012) ist Diana eine von vielen Frauen, die ihr Zuhause in Osteuropa verlässt, um anstelle eines männlichen Ernährers für die Familie zu sorgen. Der Vater macht sich aus dem Staub. Zurück bleiben die strenge Mutter, die verbitterte Schwester und ihr geistig behinderter Sohn, der teure Medikamente benötigt. Sie sind auf Dianas Geld angewiesen. Ihren ursprünglichen Traumberuf Regisseurin gibt sie bald auf. Sie wird Teil jener illegalen Ausländer, die im „goldenen Westen“ an Raststätten und in Rotlichtvierteln gefangen sind. In Wien trifft sie Leo, einen abergläubischen und schwerkranken Polizisten, der sie vor der Abschiebung aus Österreich rettet. Nun scheint es, als könnte Diana ihr Schicksal endlich selbst in die Hand nehmen. Aber an Leos Grab weiß Diana, dass auch diese Hoffnung Vergangenheit ist. Diana wird in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Dort ist sie vor der Abschiebung sicher. Von Zuhause erhält sie schlechte Nachrichten. Der Sohn ist, da ohne Medikamente, gewalttätig geworden und wird in der psychiatrischen Klinik festgehalten. In Dagestan kann das lebensbedrohlich sein. Der Mutter ist das Geld ausgegangen, obwohl sie bereits ihren Schmuck verpfändet hat.
Diana bricht aus und will sich nach Hause durchschlagen. Aber sie verliert zunehmend die Orientierung, nicht nur im geografischen Sinn. Als ihr der Körper immer mehr die Gefolgschaft verweigert, überkommt sie die Lust, sich durch die Erde zu wühlen. Dafür wurde sie als Kind von der Mutter mit schwerer Misshandlung bestraft. Diana vollzieht jetzt ein geradezu mythologisches Ritual. In einer Art umgekehrtem Beerdigungsritus lässt sie aus der Erde den Golem auferstehen, jenen künstlichen Menschen, um den sich das Buch des verschwundenen Vaters dreht, das er der Mutter gewidmet hat. In der „Erdfresserin“ vereinen sich Geschichten, die Rabinowich in ihrer Zeit als Dolmetscherin gehört hat. „Der Roman ist meine Form der Reverenz an die, die unter widrigsten Umständen um ihr Überleben kämpfen und dabei versuchen noch irgendwie die Würde zu bewahren“, so Julya Rabinowich.
In ihrem bislang letzten Roman „Krötenliebe“ (2016) schreibt sie über die Verstrickungen und Sehnsüchte dreier Grenzgänger – Alma Mahler, Paul Kammerer und Oskar Kokoschka. Alma Mahler, die „Femme fatale“, versucht den Verlust ihres Vaters mit Liebhabern aufzuwiegen. Paul Kammerer, der umstrittene Vater der Epigenetik, in dessen Labor sie als Assistentin arbeitet, baut sich neben seiner Familie eine Parallelwelt auf, in der er sich nach Alma verzehrt. Er nimmt das Geheimnis um seine Experimente mit Kröten mit ins Grab. Oskar Kokoschka, das „Enfant terrible“ der Wiener Kunst im frühen 20. Jahrhundert, versucht seinem Liebeskummer mit mehr als unzulänglichen Mitteln beizukommen. Der Roman ist ein Remix historischer Skandale und Begebenheiten im Österreich der Jahrhundertwende. Julya Rabinowich verknüpft die Biografien zu einer eigenen Geschichte, mit Poesie und Phantasie vermengt.
In diesem Jahr erschien auch „Dazwischen: Ich“, das erste Jugendbuch von Julya Rabinowich. Nach einer beschwerlichen Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat ist Madina, die Ich-Erzählerin, endlich in einem sicheren Land angekommen. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Heim und wartet auf das Recht bleiben zu dürfen. Zerrissen zwischen Traditionen und dem neuen Leben in der westlichen Welt, schildert sie ihre Zeit im Flüchtlingsheim. Ihre Schulfreundin Laura hilft ihr, neue Wurzeln zu schlagen. Die strenge Lehrerin unternimmt alles, um der Schülerin eine Klassenwiederholung zu ersparen. Doch nicht allen in ihrer Familie fällt es leicht Fuß zu fassen. Das Los der 15-jährigen Madina teilen viele Flüchtlingskinder. Sie alle sind Brückenbauer zwischen ihren Familien und dem neuen Leben in der westlichen Welt.  „Dazwischen: Ich“, die Geschichte eines Flüchtlingsmädchens zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen Familie und neuen Freundschaften ist ein bewegendes Jugendbuch.

Innerhalb kurzer Zeit gelingt es Julya Rabinowich in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Fuß zu fassen und kontinuierlich auf sich aufmerksam zu machen. „Es macht mich sehr zufrieden, von meiner Arbeit leben zu können, mich für niemanden verbiegen zu müssen und von meiner Meinungsfreiheit täglich Gebrauch machen zu können“, meint sie. Für sie kommt es nicht infrage, mehrsprachig zu schreiben: „Ich habe einen ausgesprochenen Widerwillen, Sprachen innerhalb eines Textes zu vermengen“.
Sie beschäftigt sich mit Themen aus ihrem Leben, aber das ist mehr als die Verarbeitung dieser Geschichten. Es ist ein bewusstes Schaffen eines neuen Blickwinkels: „Im Grunde schreibe ich über Dinge, die mich im Augenblick emotional bewegen und auch über längere Zeit hinweg beschäftigen“. Mehr als das Verallgemeinernde, Nivellierende interessiert sie das Persönliche und Individuelle, das Schicksal, die Brüche, die Risse, die sich durch jedes Leben ziehen.
Julya Rabinowich hat ihr Heimatgefühl nie an Ländern festgemacht, sondern an Menschen und an Sprachen: „Ich denke nur, dass die Entwurzelung mir die Möglichkeit genommen hat, mich innerlich noch einmal fix wo niederzulassen. In der Sprache allerdings fühle ich mich sowohl angekommen als auch daheim“. Aufgrund ihres eigenen biografischen Hintergrunds und ihrer Arbeit mit Flüchtlingen ist Julya Rabinowich eine besonders glaubwürdige und kompetente Kommentatorin. In ihren Geschichten spielen Frauen Hauptrollen. Sie meldet sich auch tagesaktuell zu Wort, wo sie Ungerechtigkeit ortet, will Botschaften anbringen und neben dem Schreiben und Malen auch gesellschaftspolitisch agieren.



 

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