Bücherschau

Rulffes, Evke - Die Erfindung der Hausfrau

Geschichte einer Entwertung
„Das bisschen Haushalt“, diese tatsächlich anstrengende und letztlich undankbare Aufgabe kostet viele Frauen bis heute Lebenszeit und vor allem Nerven. Egal, ob sie berufstätig oder „nur“ Hausfrau (und Mutter) sind. Doch unter welchen ökonomisch-gesellschaftlichen Verhältnissen konnte sich überhaupt ein solches Rollenmodell etablieren, dass Frauen nicht nur in finanzielle Abhängigkeit gedrängt, sondern auch enormen psychischen Belastungen ausgesetzt werden? 
Evke Rulffes erzählt in diesem Buch die historische Entwicklung der Hausfrau nach und zeigt, wo sich diese alten Verhältnisse trotz all der politischen Bemühungen um ein gleichberechtigtes Miteinander heute noch wiederfinden, wie sie heute noch prägen und beeinflussen. Warum haben vor allem Mütter das Gefühl, sie müssen alles allein schaffen? Warum ist es ihnen unangenehm, sich Hilfe zu organisieren? Und warum bleibt selbst das Organisieren von Hilfe in der Regel bei ihnen hängen? 
Pointiert, fundiert und erhellend zeigt Rulffes die historischen Gründe dafür und was die Erfindung der Hausfrau mit dem schlechten Gewissen der Mutter zu tun hat. Es geht um Kinder, Küche und Karriere? - Über Arbeitsteilung, Rollenbilder und gekippte Machtverhältnisse. Evke Rulffes zeigt in ihrem engagierten Buch das fehlende Bewusstsein für eine unverzichtbare Arbeit und liefert durchaus amüsante Einblicke in die Alltagskniffe vergangener Jahrhunderte. Präzise macht sie deutlich, dass wirkmächtige Rollenbilder sich aus ideologischen Motiven entwickelten, zum nachhaltigen Nachteil von Frauen. Ein wichtiges und überfälliges Plädoyer für mehr Gerechtigkeit und Wertschätzung von Care- und Hausarbeit. 
Brigitte Winter
 
Rulffes, Evke - Die Erfindung der Hausfrau
Geschichte einer Entwertung. München: HarperCollins 2021. 288 S. - fest geb. : € 22,70 (GS)
ISBN 978-3-7499-0240-8

 

 

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