Bücherschau

Präauer, Teresa - Mädchen

Über das Mädchen nachdenken
„Wer über das Mädchen nachdenkt, denkt über Anfänge nach“, erinnert Teresa Präauer sich und ihre Leser*innen wiederholt in ihrem neuesten Buch „Mädchen“. Der Text selbst beginnt allerdings mit einem Jungen, der auf seinem Teppich spielt – er dient der Autorin, wie bald klar wird, als Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung mit der Figur des Mädchens, einer Figur, der sie selbst in ihren bisherigen Texten aus dem Weg gegangen war. Zu abschreckend waren die damit einhergehenden Verniedlichungen, die sich bereits in der Bezeichnung „Mädchen“ zeigen, einem Diminutiv, der eine Verkleinerung des Wortes Magd ist. 
Teresa Präauer möchte jedoch, wie sie bereits im Rahmen der Züricher Poetikvorlesung im November 2021 betonte, „Mädchen“ als offenen Begriff verstehen. Das Mädchen wird bei ihr zur Projektionsfläche für persönliche Erinnerungen und literarische Betrachtungen. Dabei spannt sie den Faden ihrer Überlegungen von einer Reflexion des Begriffs über kulturgeschichtliche Betrachtungen bis hin zu Darstellungen des Mädchens in Kunst und Literatur. Immer auch sind eigene Erinnerungen in den Text miteingeflochten, wobei sich die Autorin der Distanz zwischen damals und heute, dem Mädchen und der erwachsenen Frau, stets bewusst bleibt. 
„Mädchen“ ist ein poetischer, verspielter Text, eine reflektierte Auseinandersetzung mit literarischen und philosophischen Betrachtungen, eine Spurensuche, die sich um eine Einordnung der eigenen Erinnerungen vor dem Hintergrund kitschiger Klischees bemüht. Teresa Präauer nimmt ihre Leser*innen einmal mehr mit scharfen Beobachtungen, Heiterkeit und Sprachkunst gefangen – dieses Mal in der Welt des Mädchens, einer Welt, in der es sicherlich noch viel mehr zu erkunden gibt. 
Barbara Seidl, Litrobona
 
Präauer, Teresa - Mädchen
Essay. Göttingen: Wallstein 2022. 78 S. - fest geb. : 16,50 (DR) 
ISBN 978-3-8353-5196-7

 

 

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