Bücherschau

Schmalz, Ferdinand - Mein Lieblingstier heißt Winter

Skurriler und origineller Debütroman
Der Bühnenautor Ferdinand Schmalz legt nun endlich seinen Debütroman vor. Für einen Auszug daraus hat er 2017 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen: „Weil das Einfrieren bei langsam schwindelndem Bewusstsein doch die angenehmste Weise sei zu sterben.“ 
Ums Sterben und ums Einfrieren und auch das Gegenteil davon geht es in Schmalz‘ Sprachfeier, das sich hier als Roman ausgibt. Der Tiefkühlkostvertreter Schlicht, „ein wüster Charakter“, fährt an den Hundstagen durch Wien und beliefert wie immer seine Kunden. Und wie jeden Mittwoch hält er auch bei seinem Stammkunden Doktor Schauer, der nichts anderes als Rehragout kauft und das seit nunmehr sieben Jahren. 
Skurril und originell ist Schmalzens Figurenzeichnung und die Staffage, was wohl seiner erfolgreiche Tätigkeit als Bühnenautor zuzuschreiben ist. Schlicht nimmt Schauer ein Versprechen ab, nämlich den todessehnsüchtigen Kunden in der Tiefkühltruhe, wo sonst das Rehragout lagert, zu verstauen – für die Ewigkeit. Doch die Gefriertruhe verschwindet und Schauer macht sich auf die Suche nach dieser und seinem Kunden, tot oder lebendig ist dabei nicht klar. So wird der Roman bald auch zu einer makabren und morbiden Kriminalgeschichte, die ihren Showdown in einem Dino-Erlebnispark hat, wo Mitarbeiter der Reinigungsfirma „Schimmelteufel“ die Plastikdinosaurier schrubben. 
Mit „gammliger Erhabenheit“, „Endlosgulasch“ und „Rüscherlbadehaube“ gewinnt der leidenschaftliche Sprachkünstler Schmalz seine Leserinnen und Leser. Kein österreichischer Gegenwartsautor schreibt zur Zeit so schön melancholisch über Werden und Vergehen. 
Julie August
 
Schmalz, Ferdinand - Mein Lieblingstier heißt Winter
Roman. Frankfurt: S. Fischer 2021. 189 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-10-397400-3

 

 

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