Bücherschau

Armin Baumgartner / Rudolf Kraus - Knappe Titel

Ein Dialog in Lyrik und Prosa
Dass zwei Autoren gemeinsam ein Buch schreiben, kommt nicht oft vor. Es ist auch nicht risikolos und kann manch Falltür eröffnen. Es gibt wunderbare Ergebnisse solcher Zusammenarbeit, eine weitere liegt mit diesem Buch mit dem „Knappen Titel“ vor. Die beiden Wiener Autoren Armin Baumgartner und Rudolf Kraus sind für ihre gesellschaftskritischen Texte mit überaus ironischen, des öfteren sehr witzigen Untertönen bekannt. Der eine schreibt überwiegend Prosa, der andere Lyrik – auch dies ist ein Reiz der Form dieses Buches. 
Überdies gab es strenge Regeln: Jeder hat nur eine Seite zur Verfügung, einer fängt an, gibt einen Titel vor, der nur ein Wort beinhalten darf, schreibt den Text, schickt ihn per Mail, der Kollege schreibt einen Text, wählt einen neuen Titel, schreibt den Text, schickt ihn usw. Im Buch sind die Texte chronologisch geordnet. 
Es beginnt mit „Nüchtern“, „Einwand“, „Fleiß“, die alle relativ amüsiert, durchaus autobiographisch abgearbeitet werden. Dann plötzlich: „Celan“, da gehen keine Witze, und beide meistern diese Hürde sehr gut und werden dem Titel würdig gerecht. „Verleser“, „Bart“, „Wolken“, „Peinlich“, „Krise“, man sieht schon, es werden viele Bereiche des Lebens jeweilig offen beleuchtet und es zeichnen sich allmählich so etwas wie innere Physiognomien der beiden Schreibenden und Protagonisten dieses „Romans“ über zwei Wiener Autoren in dutzenden Textstückchen ab. 
Diese lustvoll-spielerische Herangehensweise überträgt sich auch auf den Leser. Viele der „knappen Titel“ treffen doch beinahe bei jedem einen persönlich wichtigen Punkt. Ein Buch, bei dem es sich lohnt, sich länger und näher damit auseinanderzusetzen.
Georg Pichler
 
Armin Baumgartner / Rudolf Kraus - Knappe Titel
Ein Dialog in Lyrik und Prosa. Wien: Verlagshaus Hernals 2021. 192 S. br. : € 22,90 (DR)
ISBN 978-3-903442-03-0

 

 

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