Bücherschau

Heinichen, Veit - Entfernte Verwandte

Commissario Laurenti ahnt Böses
Der 1957 geborene Erfolgsautor lebt seit über 25 Jahren in Triest, einer Stadt, der seine Liebe gehört. Umso erschütternder ist es für ihn, dass die schrecklichen Kriegsgräuel der SS während der deutschen Besatzungszeit sowie die zahlreichen Morde der slowenischen Partisanen vor kaum einer Familie, die in Triest und Umgebung gelebt hat, Halt gemacht hat. Kollaborateure haben die Nazi-Herrschaft unterstützt. Die Auswirkungen der zahlreichen Deportationen und standrechtlichen Erschießungen reichen bis in die heutige Zeit. Die Morde, mit denen sich Commissario Laurenti beschäftigen muss, sind Racheakte. Aber vielleicht können die Erinnerungen der ältesten Bürgerinnen und Bürger von Triest helfen, weitere Opfer zu verhindern. Doch was der Commissario nicht weiß, ist, dass Triest weder vergibt noch vergisst. 
So wird das Mahnmal im Dorf Prosecco, ein Ort des Gedenkens an die Opfer, zum Tatort. Ein unbekannter Armbrustschütze ermordet einen frei lebenden Schuldigen der Vergangenheit. Doch Ada Cavallin kann mit ihrer Schuld nicht leben und steuert ihren Maserati BiTurbo in eine Leitplanke, die sie durchbricht und siebzig Meter in den felsigen Abgrund stürzt.
Sicher weiß der Leser aus diversen Berichten von den schrecklichen Kriegstagen, doch nahm man an, man habe diese grauenhafte Historie überwunden. Dem ist nicht so. Veit Heinrichen rollt anhand eines aktuellen Falles die Vergangenheit der Stadt Triest auf, die Vergangenheit einer Stadt, die die langen Schatten nicht vergessen kann. Ein Kriminalroman, der eher einer historischen Aufarbeitung gleichkommt. 
Peter Lauda
 
Heinichen, Veit - Entfernte Verwandte
Commissario Laurenti ahnt Böses. München: Piper 2021. 319 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-492-07062-1

 

 

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