Bücherschau

Neuwirth, Günter - Dampfer ab Triest

Mordanschlag in Triest
Ein vorgetäuschter Automobil-Unfall im Triest der k.u.k. Donaumonarchie 1907 stellt sich als Mordanschlag auf den Grafen Maximilian von Urbanau heraus. Vor seinem Ruhestand war der Graf Attaché im Kriegsministerium. Der Verdacht auf ein politisch motiviertes Attentat liegt nahe. 
Aufgrund seiner Technik-Affinität erkennt der hiesige Inspector Bruno Zabini jedoch sofort die Sabotage. Inspector Zabini liebt Triest, seinen Caffè auf dem Weg zur Arbeit, spricht mehrere Sprachen und ermittelt erfolgreich mit modernen kriminaltechnischen Methoden wie einem, von Kollegen belächelten Tatortkoffer. „Ich kann ohne meine Stadt nicht leben. Müsste ich für immer fort von Triest, so würde ich wie ein verpflanzter Baum langsam, aber unausweichlich eingehen.“ Zudem unterhält er zwei Affären mit verheirateten Frauen. 
Maximilian Eugen Graf von Urbanau beabsichtigt, seine 20-jährige Tochter, die Komtess Carolina, mit einem Adeligen zu verheiraten. Diesen kann Carolina aber noch nicht einmal leiden. Zudem ist sie in den Poeten und Schauspieler Friedrich Grüner verliebt. Der Graf begibt sich (vor der geplanten Heirat) mit seiner Tochter auf eine Mittelmeer-Reise mit dem Luxusdampfer Thalia, Abfahrt Triest, dem „Hafen zur Welt“. 
Zum persönlichen Schutz des Grafen und dessen Tochter wird Inspector Zabini auf die Thalia entsandt. Unter den 160 wohlhabenden Passagieren herrscht eine berauschende Stimmung. Eilt man doch zwischen Speisesaal, Rauchsalon, Tanz- und Musikveranstaltungen hin und her. Gerne tauscht man sich über die, vorerst geheim gehaltene Liebesaffäre der bezaubernden Komtess mit ihrem, sich an Bord befindlichen Geliebten aus. Zabini hat alle Hände voll zu tun, und während Aufenthalten an Land hastet er von der Suche nach Abgängigen der Schiffsmannschaft in Ragusa zu einer Verfolgungsjagd in Konstantinopel und weiter zu einem teuflischen Versteckspiel auf Mykene. Wer ist der Attentäter und befindet er sich an Bord? 
Günter Neuwirth flicht historisches Wissen in die Handlung ein. „Unter dem römischen Kaiser Konstantin I. wurde Byzanz zur Hauptstadt des Römischen Reiches ausgebaut, und bescheiden, wie der große Kaiser war, verewigte er sein Wirken im neuen Namen der Stadt.“ Wird es Bruno Zabini gelingen, den Grafen und seine Tochter unbeschadet zurück nach Triest zu geleiten? Der Charme der Verfilmung „Mord im Orientexpress“ umweht die Reise-Gesellschaft auf dem Kreuzfahrtschiff Thalia und der unterhaltsame Roman bleibt spannend bis zum letzten Satz. 
Heide Mlekuz
 
Neuwirth, Günter - Dampfer ab Triest
Roman. Meßkirch: Gmeiner 2021. 471 S. - kt. : € 16,50 (DR)
ISBN 978-3-8392-2800-5

 

 

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