Bücherschau

Sampson, Freya - Die letzte Bibliothek der Welt

Aufbruch in ein eigenständiges Leben
„Die Zeit, bevor Marjorie und die ersten Gäste eintrudelten und sie mit den siebentausend Büchern allein war, mochte sie am liebsten.“ June Jones ist seit ihrem Schulabschluss Bibliothekarin im kleinen britischen Dorf Chalcot. Seit dem Tod der Mutter, die eine legendäre Bibliothekarin war und eine wichtige vermittelnde Rolle in der Gemeinde spielte, verharrt June in ihren Routinen. Außer in ihrer Phantasie und der wechselnden Lektüre bewegt sich im Leben der jungen Frau kaum etwas. Als die Bibliothek geschlossen werden soll, gerät auch Junes Leben endlich in Bewegung. Die schüchterne junge Frau ist nicht nur damit konfrontiert sich über ihre eigene Zukunft Gedanken zu machen, sondern auch mit den Forderungen der Besucherinnen und Besuchern, die um das soziale Herzstück (einen Pub wird es wohl auch noch oder nicht geben) der Gemeinde kämpfen wollen. Auch taucht noch ihr ehemaliger Schulkollege Alex Chan auf, der Sohn des China-Imbiss-Besitzers ist und als Anwalt arbeitet. Freya Sampson setzt dem vom Aussterben bedrohten, geistigen Nahversorger Bücherei ein Denkmal und zeigt wie wichtig und zentral dies für eine Gemeinschaft ist. Sie zeigt die Alten und Alleinlebenden, die fast ihre gesamte Tageszeit dort verbringen, sich auch bei Computerfragen helfen lassen und sich nicht nur den richtigen Ratgeber empfehlen lassen, sondern auch gleich eine persönliche Beratung. Eine wunderbare Besetzung hat dieser Unterhaltungsroman, der auch eine junge Frau bei ihrem Aufbruch in ein eigenständiges Leben begleitet, bei dem auch eine Erbschaft eine mehr oder überraschende Wende bringen soll. Sampson, studierte Historikerin, arbeitet als Fernsehproduzenten, was ihrem unterhaltsamen Roman anzumerken ist, der eine ideale Filmvorlage gleich mitliefert.
Julie August 
 
Sampson, Freya - Die letzte Bibliothek der Welt
Roman. Köln: DuMont 2021. 368 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-8321-6567-3

 

 

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