Bücherschau

Shalev, Zeruya - Schicksal

Von Frauen aus verschiedenen Generationen
Nach vielen Jahren liegt nun endlich wieder ein großer Roman der israelischen Autorin vor. In „Schicksal“ erzählt sie die Geschichte von Frauen aus verschiedenen Generationen und davon wie deren Lebenslinien einander berühren und miteinander schicksalhaft verwoben sind. Atara, ist Architektin, die es nach dem Tod des Vaters mit brennenden Fragen zur ersten und totgeschwiegenen Liebe seines Lebens Rachel drängt. „Schweigend stand sie vor der geschlossenen Tür.“, schreibt Shalev als ersten Satz des Romans als besagte Rachel vor der Türe ihrer eigenen Mutter steht. Jahre später soll es Atara ähnlich widerfahren. Atara will etwas über Rachels und ihres Vaters gemeinsamer Zeit im Untergrund erfahren. Ataras Vater war, wie auch der Vater der Autorin, Mitglied der „Lechi“, einer militärischen Untergrundorganisation in Palästina. 
Shalev gelingt es die verschlossenen Türen zur Vergangenheit und Erinnerung ihrer Figuren behutsam erzählerisch zu öffnen und teilweise auch schmerzhaft aufzustoßen. Doch der Prozess ist sowohl für die Figuren wie auch für die Leserinnen und Leser ein nicht immer leichter und oft auch bedrückender. Shalevs Ton ist von einer grundlegenden gehaltvollen Schwere und gleichzeitig Lakonie getragen, was bei ihr kein Widerspruch ist, sondern die Besonderheit ihres Stils kennzeichnet. 
Julie August
 
Shalev, Zeruya - Schicksal
Roman. München: Berlin 2021. 416 S. - fest geb. : € 24,70 (DR)
ISBN 978-3-8270-1186-2

 

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