Bücherschau

Wells, Benedict - Hard Land

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“
„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“ Sam ist am Beginn dieses Sommer fünfzehn Jahre alt und lebt in einer fiktiven Kleinstadt Grady in Missouri in den 1980er Jahren. Schüchtern und ängstlich wagt er sich aus seiner Komfortzone, wie seine Lehrerin sagt, und nimmt einen Job im maroden Kino des Ortes an, das eine Aushilfe sucht, weil wieder einer der Mitarbeiter seinen Highschool-Abschluss gemacht hat und den Ort verlassen wird. 
Dort trifft er auf den farbigen Sportsmann Hightower Cameron, der originell, frech und schwul ist und Kirstie Andretti, die Tochter des Kinobesitzers und der „Inbegriff von süßsalzigem Popcorn“. „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht ...“ Sam weiß lange nicht, woran er bei ihr ist und ist von Beginn an fasziniert von diesem starken und eigenwilligen Mädchen. Während er Freunde findet und sich ins Leben aufmacht, verschwindet sukzessive die Welt seiner Kindheit mit seiner bald an Krebs sterbenden Mutter, die einen Buchladen besitzt. Sams Schwester lebt in der Großstadt, sein Vater begegnet der Situation mit gewohntem Schweigen und Hilflosigkeit. 
Benedict Wells erzählt keine besonders neue Geschichte, eher macht er sie durch die Musik- und Filmgeschichte der 1980er Jahre lebendig, die nicht nostalgisch verklärt ist, sondern lebensnah und intensiv den richtigen Ton seines Protagonisten und seiner Generation trifft. Wells wird zurecht von der Kritik gelobt, weil er seine Sujets bis jetzt immer entsprechend gut gewählt hat, sorgfältig recherchiert und erzählerisch gelungen umsetzt. 
Julie August
 
Wells, Benedict - Hard Land
Roman. Zürich: Diogenes 2021. 345 S. - fest geb. : € 24,70 (DR)
ISBN 978-3-257-07148-1

 

 

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