Bücherschau

Knecht, Doris - Die Nachricht

Plädoyer für unabhängige Frauenleben
„Die erste Nachricht kam an einem Sonntag im September.“ Ruth Ziegler, Knechts Ich-Erzählerin, lebt in einem alten, liebevoll renovierten Haus, auf dem Land. Den Tod des Mannes und Vater ihrer Kinder hat sie nach vier Jahren etwas verwunden, die Kinder gehen ihre eigenen Wege. Sie hat sich mit ihrem Leben arrangiert, und mit dem Alleinsein, als die Nachricht in ihr Leben einbricht und alles wieder aus dem Gleichgewicht zu kommen scheint und alte Wunden aufreißt. 
Knecht gelingt es, wieder unterhaltsam, leicht und mit dem entsprechenden Erzähltempo und der nötigen Spannung wieder einen Roman vorzulegen, der gesellschaftliche Entwicklungen und Frausein in diesen Tagen verhandelt. Landflucht, Patchwork-Familien, Loslassen von Kindern, Männern und Konventionen, Hass im Netz, Gewalt gegen Frauen, Älterwerden und ein Plädoyer für unabhängige Frauenleben, was natürlich als schreibende Frau, mit Haus am Land, Stadtwohnung und das nötige Bildungsniveau interessant gelingen kann. 
Die Kolumnistin und Journalistin Knecht hat sich auch als Autorin auf ihre Leserinnen und Leser eingestimmt und es gelingt ihr bravourös aktuelle Themen in einem bekömmlichen, feuilletonistischen Stil zu servieren. Sie liefert wieder einen gelungenen Roman, der ernste Themen angreift, ohne sich dabei zu verbrennen – Drehbuch inklusive.
Julie August
 
Knecht, Doris - Die Nachricht
Roman. Berlin: Hanser 2021. 253 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-446-27103-6

 

 

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