Bücherschau

Noll, Ingrid - Kein Feuer kann brennen so heiß

Eine herrlich böse und subtil männerfeindliche Geschichte
Plumplori wird die 30-jährige Lorina von ihrer Familie seit ihrer Kindheit genannt. Weil sie so ungeschickt und plump ist, bis sie es selber glaubt. Sie ist aber hilfsbereit und bescheiden und daher die ideale Altenpflegerin. Im Haus der reichen Frau Alsfelder findet sie ein Zuhause und ist eigentlich zufrieden. 
Erst als der windige Masseur ihre Unschuld entdeckt und zu ihr ins Bett schlüpft, erwacht das hässliche Entlein. Sie wird zwar nicht zum Schwan, aber die nächtlichen, heimlichen Schäferstündchen gefallen ihr. Leider ist aber der Liebhaber ein egoistischer Filou, der neben einer Ehefrau noch eine junge Geliebte hat. Als Lorina erkennt, dass sie schamlos ausgenützt wird, will sie es ihm heimzahlen. Aber der harmlos gedachte Denkzettel geht letal aus. 
Aber niemand erkennt, was wirklich geschehen ist oder findet die Zusammenhänge heraus. So kommt der nächste Masseur für die bettlägrige Arbeitgeberin ins Haus. Bald entspinnt sich auch mit diesem hilflosen, etwas eigenartigen, verkappten Student ein verschwiegenes Verhältnis. Lorina gefällt sich in der Rolle der mütterlichen Freundin. Es könnte alles so schön sein. Aber die Dinge entwickeln sich ganz anders als geplant. Der Neffe der reichen Hausherrin ist ein Erbschleicher und sieht sein Erbe durch den neuen Masseur gefährdet. Dann kommt noch dazu, dass die herzlose Schwester von Lorina ihr neugeborenes Kind einfach im Haus lässt und verschwindet. Das Plumplori wird schon wieder aufs Schlimmste ausgenützt. Man schüttelt beim Lesen den Kopf, denn man hat die Figur der Lorina schon liebgewonnen. Sie ist hilfsbereit und wird dafür nur ausgenützt. Sie tut niemanden etwas zu Leide. Nein, das stimmt nicht. Der Filou ist durch ihr Zutun gestorben, aber das wollte sie doch nicht. Und wieder „passiert“ es ihr. Unbeabsichtigt stellt sie die Weichen. Wie, sei nicht verraten. Aber es wird alles gut! 
Ingrid Noll ist bekannt für ihre unkonventionellen, vergnüglichen Kriminalromane. Sie ist eine Meisterin des schwarzen Humors – wie sie wieder mit dieser neuen Geschichte bewiesen hat. Ihre Hauptfigur ist brav, naiv, selbstlos, man mag sie von Anfang an. Aber es widerfährt ihr alles ganz zufällig – und am Ende des Buches sind zwei Männer tot. Die Geschichte ist wieder großartige, spannende Unterhaltung, herrlich böse und subtil männerfeindlich. Lesevergnügen vom Feinsten, nicht nur für Frauen! 
Renate Oppolzer
 
Noll, Ingrid - Kein Feuer kann brennen so heiß
Roman. Zürich: Diogenes 2021. 292 S. - fest geb. : € 24,70 (DR)
ISBN 978-3-257-07115-3

 

 

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