Bücherschau

Kawasser, Udo - die blaue reise

donau – bosporus. Gedichte
Udo Kawasser bewegt sich in „die blaue reise“ auf zwei Kontinenten, in zwei Kulturen sowie in zumindest zwei Sprachen. Die Sprachen sind Kawassers Zille, mit der er beseelt die Meere der Gefühle und Empfindungen durchschifft: „ … wie lange wird es dauern dauern / ihre bedeutung zu finden / wie viele österreichische / wie viele türkische minuten …“ 
Hier ist es quasi eine poetische Fernbeziehung beziehungsweise die Sehnsucht nach der geliebten Person, die sich in starken lyrischen Bildern äußert: „ … wenn die zeit ein mund ist / wie werden wir dann / ihre zunge“ oder „ … schreib das / auf die ecken deines gedichts / und schütte in seine mitte / meine langen dunklen haare // sag mir / wenn du diese zeile / betrittst“. 
Der Gedichtband führt durch das innere und äußere Wien, schweift ab zur Donau und zu einer Brücke, um plötzlich von der Nacht in den Tag zu treten und zudem den Bosporus zu überqueren, mitten in einer anderen Stadt. Konstantinopel oder Istanbul, Bosporus und Donau und Wien bekommen Konturen im morgendlichen Nebel und verschwimmen im Dunkel der Nacht. „… wie konnte ich vergessen / dass wir möglich waren / in diesem fremden zimmer“. 
Udo Kawasser bewegt sich leichtfüßig durch die Verse, offenbart und lässt manches im Verborgenen. Zeit innezuhalten. 
Rudolf Kraus
 
Kawasser, Udo - die blaue reise
donau – bosporus. Gedichte. Innsbruck: Limbus 2020. Limbus Lyrik. 95 S. - fest geb. : € 15,00 DL)
ISBN 978-3-99039-190-7

 

 

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