Bücherschau

Sahin, Cemile - Alle Hunde sterben

Gewalt in einem Land, in dem das Militär herrscht
Im Westen der Türkei steht ein Hochhaus mit 17 Stockwerken. Hier wohnen Menschen, die auf der Flucht vor Terror und Gewalt sind. Sie haben Schreckliches durch die Polizei und Einheiten der Armee erlebt. In neun Episoden erfährt der Leser die Schicksale dieser verzweifelten Männer und Frauen. 
Neda beispielsweise wird von der Polizei geschlagen und wie ein Hund in einer Hundehütte gehalten, nachdem ihr Mann in den Bergen erschossen wurde. Nurten hingegen, ihr Mann Hasso und ihre drei Kinder waren im Gefängnis; Hasso quält danach die Angst vor neuerlicher Inhaftierung, daher hat er alle Türen aus der Wohnung entfernt; aber die Polizisten kommen wieder und holen ihn ab. Umut wiederum hat sein Haus angezündet und war mit seiner neunjährigen Tochter geflüchtet; als die Soldaten wiederkommen, nehmen sie nur seine kleine Tochter mit, ihn aber nicht. 
Die junge deutsche Autorin Cemile Sahin, die mit der Alfred Döblin-Medaille ausgezeichnet wurde, beschreibt sehr eindringlich, wie unschuldige Menschen in einem Land, in dem das Militär herrscht, Gewalt erfahren und als Verräter geschlagen, misshandelt und eingesperrt werden. Ein bedrückender Bericht. 
Traude-Banndorff-Tanner
 
Sahin, Cemile - Alle Hunde sterben
Berlin: Aufbau 2020. 239 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-351-03827-4

 

 

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