Bücherschau

Hofbauer, Hannes - Europa

Ein Nachruf
„Hannes Hofbauer entlarvt das in Brüssel, Berlin und anderswo gemalte Selbstbild einer demokratischen Wertegemeinschaft als ideologische Begleiterscheinung ökonomischer Protagonisten, die für ihre Geschäfte einen supranationalen Raum und militärischen Flankenschutz brauchen.“ Wer so einen Satz liest, muss unwillkürlich an die Diktion der linken Szene der 68-er denken. Man wird geradezu nostalgisch. 
Hannes Hofbauers neues Buch zum Europa-Problem hat sich aber einen solchen Klappentext nicht verdient. Sein Buch ist blitzgescheit und informativ, greift historisch weit aus. Es kann durchaus empfohlen werden. Man muss ja nicht die schärfsten Formulierungen mittragen. 
Im gleichen Verlag ist Karl Kollmanns neues und leider auch letztes Werk erschienen. Der jüngst verstorbene habilitierte Soziologe, Ökonom und Konsumentenschützer hält darin Rückschau auf die bewegten letzten Jahrzehnte. Sein Buch hat teilweise eher persönlichen Charakter, es kommen auch Enttäuschungen des ademischen Berufslebens zur Sprache und die Verhaltensregeln des „linksliberalen establishments“ finden bei Kollmann nur wenig Sympathie. 
Zwei interessante Bücher, die eine ausführlichere Besprechung verdienen würden. Eine Art traurigen Witz der Geschichte bildet die Tatsache, dass die einst als links geltenden Sichtweisen, wie in den hier vorliegenden Werken, heute in der Regel der politischen Rechten zugeschrieben werden. 
Robert Schediwy
 
Hofbauer, Hannes - Europa
Ein Nachruf. Wien: Promedia 2020. 271 S. - kt. : € 22,00 (GP)
ISBN 978-3-85371-475-1
 
Kollmann, Karl
Die neuen Biedermenschen
Von der 68er-Rebellion zum linksliberalen Establishment. Wien: Promedia 2020. 140 S. - kt. : € 19,90 (GP)
ISBN 978-3-85371-469-0

 

 

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur