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Bücherschau

Reicher, Isabella (Hg.) - Eine eigene Geschichte

Frauen Film Österreich seit 1999
Isabella Reicher, langjährige Filmkritikerin der Tageszeitung „Der Standard“, Gründungsmitglied der Zeitschrift „kolik film“ und seit fünf Jahren Mitarbeiterin von „sixpackfilm“ zur, so die Eigendefinition des 1990 gegründeten Vereins, „Herstellung von Öffentlichkeit für das österreichische künstlerische Film- und Videoschaffen im In- und Ausland“, hat hier einen Sammelband initiiert und herausgebracht, der wohl schon jetzt als wichtiges Nachschlage- und Referenzwerk der Zukunft geltend gemacht werden kann, wenn es um Filmemacherinnen in Österreich ab der letzten Jahrtausendwende geht. Und das auch, so die Herausgeberin, wenn damit vor allem eines nicht erreicht sein soll: ein „Abschluss“. Vielmehr muss die Geschichte „in weiteren Publikationen und in institutionell abgesicherter Forschungstätigkeit laufend fortgeschrieben werden, auf die Vergangenheit hin und auch sonst in viele Richtungen vertieft und erweitert“. 
Reicher nimmt als Ausgangsdatum für ihren Sammelband die Teilnahme Barbara Alberts am Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig des Jahres 1999 mit ihrem damaligen Langfilmdebüt „Nordrand“. Es war, schreibt die Herausgeberin in ihrem Vorwort, „ein doppelter Coup“, der sowohl für die Filmemacherin selbst wie für die gesamte österreichische Filmlandschaft von damals noch ungeahnter Folge war. In fünf Kapiteln, die Reicher mit „Eine eigene Geschichte“, „Genre und Autorinnenschaft“, „Partly Doc, Partly Fiction“, „Dokumentieren“, „Metakino“ und „Arbeit am Material“ betitelt, versammelt sie 34 Beiträge renommierter Filmwissenschaftler*innen, Filmtheoretiker*innen und Filmkritiker*innen wie Andrea B. Braidt, Birgit Flos, Stefan Grissemann, Dominik Kamalzadeh, Claudia Lenssen, Vrääth Öhner, Michael Omasta, Doris Priesching, Bert Rebhandl, Claudia Slanar und zahlreichen anderen mehr zu über 60 Filmemacherinnen unterschiedlichster Genres, Generationen und Bekanntheit, darunter Katrina Daschner, Sabine Derflinger, Barbara Eder, Tina Frank, Jessica Hausner, Marie Kreutzer, Ivette Löcker, Ruth Mader, Sabine Marte, Billy Roisz, Elisabeth Scharang, Edith Stauber oder Mirjam Unger, ohne dabei den Anspruch zu erheben, damit ein „vollständiges Spektrum an Positionen“ anzubieten. 
Den Einstieg macht ein quasi „historischer“ Rückblick („Rolle rückwärts“), in dem Reicher sowohl auf frühe „spärliche Veröffentlichungen von Regisseurinnen“ ab den frühen 1960er-Jahren eingeht – auf die Entwicklung der Förderstrukturen, aber auch auf Faktoren wie Ausbildung (so bleiben die Professuren an der Filmakademie lange Jahre ausschließlich männlich besetzt), Festival-, Kino- und Medienpräsenz – und abschließend einen guten Überblick über die im Buch versammelten Beiträge und deren Zugangsweisen liefert. Während sich der erste Abschnitt dem „Narrativen“ des „Autorinnenfilms“ widmet, legt der zweite Abschnitt seinen Schwerpunkt auf Regisseurinnen in den Bereichen Genrefilm und Fernsehen. 
Im dritten Abschnitt wird deutlich, wie viele Regisseurinnen sich zwischen den Genres und Formaten bewegen und so zu einer Auflösung strenger Grenzen „zwischen Dokument und Fiktion“ beitragen, während der vierte Abschnitt sich der Frage nach dem „Dokumentieren“ oder „Demonstrieren“ stellt, ausgehend vom Werk Ruth Beckermanns und bis hin zu den „eigenwilligen Verfremdungsstrategien“ von Anja Salomonowitz. Im fünften Abschnitt werden Begegnungen zwischen Film und anderen Künsten thematisiert, während sich der letzte Abschnitt neuen künstlerischen Praxen der letzten Jahre annähert. 
Reicher gelingt es gerade durch die durchwegs sehr unterschiedlichen, mal akademischeren, mal nahe an den Künstlerinnen, ihren Arbeitsbiografien und ausgewählten Werken angelegten, mal essayistischeren Zugänge der von ihr eingeladenen Beiträge ein beeindruckend dichtes „Lesebuch“ vorzulegen, dessen Menschen und Themen nicht zuletzt auch ihren beruflichen Werdegang wesentlich mitgeprägt haben und so „Teil meiner eigenen Geschichte“ (Reicher) wurden. 
Angela Heide
 
Reicher, Isabella (Hg.) - Eine eigene Geschichte
Frauen Film Österreich seit 1999. Wien: Sonderzahl 2020. 360 S. - br. : € 25,00 (KF)
ISBN 978-3-85449-550-5

 

 

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