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Bücherschau

Bousska, Hans Werner - Kinos, Theater und Varietés in Wien

Wiener Theater und Kinos
Theater und Kinos gehörten einst ebenso zum Wiener Stadtbild wie die Gasthäuser, Fiaker und der Stephansdom. Noch 1950 lag allein die Anzahl an Kinos, die sich quer durch die gesamte Stadtlandschaft zogen, bei über 200. Und auch das Bürgertheater, Stadttheater und das Theater in der Scala gab es noch, im selben Jahr eröffnet das Forum Kino – unter den über 1000 Gästen befanden sich Bundespräsident Karl Renner, Bundeskanzler Leopold Figl, Vizekanzler Adolf Schärf, Bürgermeister Theodor Körner, Vertreter der Alliierten und Stadtrat Josef Afritsch als Vertreter des Auftraggebers KIBA. 
Das sollte sich im Laufe der folgenden Jahre rasch ändern: Bereits um 1965 war die Anzahl der Kinos nahezu halbiert. Die Scala musste 1956 als „kommunistisches Theater“ schließen und wurde 1959/60 abgetragen, das Bürgerkino wurde 1960 abgerissen (heute befindet sich im Neubau u.a. die Redaktion der Tageszeitung „Der Standard“), das Stadttheater folgte ein Jahr darauf. Das Forum Kino, einst Wiens repräsentativster Kinobau, konnte sich nur knappe 20 Jahre halten und wurde Anfang der 1970er-Jahre abgerissen. Heute finden wir mit wenige Ausnahmen wie dem Admiral, dem Burg und dem Votiv Kino oder den Breitenseer Lichtspielen kaum noch erhaltene traditionelle Kinos im Stadtraum. Den historischen Wiener Theater-, Kino- und Varieté-Orten widmen sich immer wieder Ausstellungs-, Bild- und Forschungsbände, so auch dieser 2020 im Sutton Verlag erschienene Band des Historikers Hans Werner Bousska. 
Bousska versammelt in seinem neuen, knapp 120-seitigen Bildband über 150 historische, aber auch aktuelle Bilddokumente aus den Beständen der Wiener Bezirksmuseen, ergänzt um Material aus anderen sowohl öffentlichen wie auch privaten Archiven. Er reiht die von ihm ausgewählten Abbildungen dabei nicht nach Metier, Genre oder Größe, sondern ganz klassisch nach Bezirken. Beginnend mit dem 1881 bei einem europaweit vielbeachteten und wirkmächtigen Brand des Ringtheaters und endend mit einem Blick in das einstige Liesinger Stadttheater und spätere Kino (an der Adresse findet man heute eine Filiale der Post und einen Kebab-Imbiss). Den Abschluss macht ein tabellarisches „Verzeichnis der angeführten Kinos, Theater und Varietés“ des Bandes. 
Viele der Abbildungen sind hinlänglich bekannt, über eine Reihe von Bildern freut man sich, dass diese zum ersten Mal einer breiteren Leser*innenschaft zugänglich gemacht wurden, die meisten von ihnen sind heute in den Beständen der Wiener Bezirksmuseen zu finden, die reiche und vielen noch immer zu wenig bekannte wunderbare Sammlungen an einstigen Wiener Orten des kulturellen Lebens bieten. Wer sich jedoch wesentlich Neues oder Überraschendes mit dem neuen Buch des bekannten Volkskundlers erwartet, wird enttäuscht. Auf knappen dreieinhalb Seiten „Einleitung“ gibt Bousska einen Überblick, der auf wenigen hinlänglich bekannten Dokumentationen wie etwa jenen von Werner Michael Schwarz („Kino und Kinos in Wien“, 1992), Franz Grafl („Praterbude und Filmpalast“, 1993) und Doris Schrenk („Kinobetriebe in Wien“, 2009) sowie der Wiener Kino- und Theatertopografie (www.kinthetop.at) beruht, die er zum Teil zudem nahezu wörtlich übernimmt. 
Hier wie auch bei den Informationstexten zu den Einzelabbildungen, die in ihrer Kürze leicht zu Fehlinterpretationen einladen – so eröffnete das heutige Metro-Kino nicht im „Modernen Theater“, sondern in der von Leon Epp gegründeten „Insel in der Komödie“, und auch das Lustspieltheater wurde nicht 1927 erst gegründet, sondern in diesem Jahr vom Schauspieler und glücklosen Theaterdirektor Josef Jarno zum Kino umfunktioniert, während das Theater bereits im 19. Jahrhundert eine beliebte Wiener Prater-Bühne gewesen war –, wäre mehr möglich und vor allem wünschenswert gewesen, gibt es doch noch immer sehr viel zu entdecken und zu dokumentieren, wie zuletzt das Jahresgroßprojekt des Wiener Stadt- und Landesarchivs „Vom Lichtspieltheater zum Multiplex. Zur Geschichte des Kinos in Wien“ (2019) und die voraussichtlich noch bis Juni 2021 laufende Ausstellung im Wiener Metro Kinokulturhaus „Kino Welt Wien“ unter Beweis gestellt haben. Für alle Sammler*innen Wiener Kino- und Theaterdokumente ist der schmale Bildtextband dennoch eine herzerwärmende Ergänzung für das private Erinnerungsregal. 
Angela Heide
 
Bousska, Hans Werner - Kinos, Theater und Varietés in Wien
Wien: Sutton 2020. 121 S. : zahlr. Ill. - fest geb. : € 19,99 (KT)
ISBN 978-3-96303-166-3

 

 

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