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Bücherschau

Nuzzi, Gianluigi - Habgier im Vatikan

Wie die Jünger des Geldes Papst Franziskus Reformen sabotieren
Im Mittelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit war der Kirchenstaat (wie er damals hieß) ein politisch einflussreiches Staatswesen, das vor allem im diplomatischen Spiel der Kräfte eine beträchtliche Rolle spielte. Seit 1929, dem Jahr, in dem dieses ungewöhnliche Staatsgebilde mit dem faschistischen italienischen Staat die sogenannten Lateranverträge schloss, ist der Vatikan ein völkerrechtlich souveräner Staat, eine absolute Monarchie, die machtpolitisch nur eine geringe Rolle spielt, aber von der starke geistige Kraftströme ausgehen, die in die ganze Welt ausstrahlen. 
Der Papst, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, hat eine eigene Rundfunkanstalt („Radio Vatikan“) und eine eigene Zeitung („Osservatore Romano“). Er lässt eigene Münzen prägen und trifft aus eigener Machtvollkommenheit weitreichende kirchenrechtliche und personalpolitische Maßnahmen. Auf seinem Staatsgebiet, das ungefähr einen halben Quadratkilometer groß ist, befinden sich neben dem Petersdom andere Kirchen, wissenschaftliche Sammlungen, Bibliotheken und Archive von unschätzbarem Wert. Die wirtschaftlichen Interessen des Staates werden von Banken wahrgenommen, deren Machenschaften großteils in geheim gehaltenen Kanälen ablaufen. Manipulationen aller Art sind an der Tagesordnung und laufen ohne Wissen des Staatsoberhauptes, also des Papstes, ab. Die Öffentlichkeit erfährt davon nur wenig, oder nichts. 
Ansonsten gibt es in der päpstlichen Administration Missstände jeglicher Natur, Intrigen, Verleumdungen, persönliche Feindschaften, hinterhältige Geschäftemachereien etc. Um sie abzustellen, bedürfte es weitreichender Reformen. Das weiß auch, wie einige seiner Vorgänger, der derzeitig amtierende Papst, Franziskus. Er ist auch guten Willens und hat die Absicht, Änderungen durchzuführen. Bis jetzt ist er aber leider am heftigen Widerstand seiner Gegner gescheitert. 
Gianluigi Nuzzi, der Autor dieses Enthüllungsbuches, hat in jahrelanger Arbeit mehr als 3000 geheime Dokumente untersucht, die ihm zugespielt wurden. Sein Urteil ist dramatisch. Er ist davon überzeugt, dass die römisch-katholische Kirche unmittelbar vor dem Bankrott steht. Sollten die notwendigen Reformen nicht durchgeführt werden, wird es bald zu einem Crash mit weitreichenden Folgen kommen. Der italienische Journalist ist durchaus kein Kirchengegner. Seine kritischen Anmerkungen und Enthüllungen haben Gewicht. Sie sollten von den Kommandostäben im Vatikan nicht mit einer Handbewegung vom Tisch gewischt werden. 
Friedrich Weissensteiner
 
Nuzzi, Gianluigi - Habgier im Vatikan
Wie die Jünger des Geldes Papst Franziskus Reformen sabotieren. Orell Füssli 2020. 350 S. - fest geb. : € 25,70 (GE)
ISBN 978-3-280-05735-3

 

 

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