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Bücherschau

Jahr, Christoph - Blut und Eisen

Wie Preußen Deutschland erzwang
Das knappe Jahrzehnt von 1862-1871 war einer dramatischsten und folgenschwersten Zeiträume in der Geschichte Österreichs und Preußens. Die beiden Staaten waren seit den Tagen Maria Theresias und Friedrichs II. von Preußen Rivalen im Kampf um die Vorherrschaft im zentraleuropäischen Raum. Ein nationalstaatlicher deutscher Einheitsstaat existierte (noch) nicht. Deutschland zerfiel in eine Reihe von Kleinstaaten mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Das sollte sich grundsätzlich ändern, als der preußische König den ostelbischen Junker Otto von Bismarck 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten ernannte. 
Bismarck war ein gefinkelter Diplomat und Machtpolitiker vom Scheitel bis zur Sohle. Sein großes politisches Ziel war die Einigung Deutschlands, die er nicht mit „Reden und Majestätsbeschlüssen“, sondern mit „Eisen und Blut“ durchsetzen wollte. Das war eine offenkundige Kampfansage gegen den multinationalen habsburgischen Vielvölkerstaat. Zehn Jahre später hatte er dieses Ziel erreicht. Nicht durch Majestätsbeschlüsse, sondern durch Blut und Eisen. Nach den siegreichen Kriegen gegen Dänemark, das Habsburgerreich und Frankreich wurde am 18. Jänner 1871 im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich proklamiert. 
Die machtpolitischen Konsequenzen für die europäische Staatenwelt, besonders für das Habsburgerreich, waren folgenschwer. Nach der schweren militärischen Niederlage in der Schlacht bei Königgrätz 1866 gegen die überlegene Streitmacht und die strategische Führung des preußischen Heeres mussten außenpolitische Reformen durchgeführt werden (Ausgleich mit Ungarn etc.). Die deutschen Mittel- und Kleinstaaten verschwanden von der Landkarte. Das Deutsche Reich wurde durch seine militärische und wirtschaftliche Stärke zu einem machtvollen Player im Herzen Europas. 
Die vorliegende wissenschaftlich exakte Darstellung ist vor allem durch die Einbeziehung zeitgenössischer Quellen mehr als beachtenswert. Sie ist flüssig geschrieben und gut lesbar. Wegen seines ungewöhnlichen Themas ist die Lektüre des Buches wohl nur Historikern und einschlägig interessierten Lesern zu empfehlen. 
Friedrich Weissensteiner
 
Jahr, Christoph - Blut und Eisen
Wie Preußen Deutschland erzwang. München: Beck 2020. 368 S. : zahlr. Ill. - fest geb. : € 27,80 (GE)
ISBN 978-3-406-75542-2

 

 

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