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Bücherschau

Saucier, Jocelyn - Was dir bleibt

Geschichte einer Frau und einer Landschaft in Kanada
„Swastika entkommt man nicht so leicht.“ So lautet der erste Satz von Sauciers dritten auf Deutsch erschienenen Roman. Swastika, eine kleine Gemeinde in Ontario, im Südosten Kanadas, ist benannt nach dem indischen Kreuz, das im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus als religiöses Glückssymbol gilt, als Hakenkreuz jedoch als entsprechendes Symbol durch die Gräuel des Nazi-Regimes traurigen Ruhm erlangte. Es ist der Ausgangspunkt der Reise von Gladys. 
„Wer einmal das Glück kennengelernt hat, weigert sich zu glauben, dass es nicht mehr wiederkommen kann“, ist einer von Gladys Lieblingssätzen. Trotzdem verlässt Gladys eines Tages ihren Heimatort Swastika und steigt in den Northlander, eine kanadische Zuglinie, und soll von da an acht Tage lang im Bahnnetz des Landes unterwegs sein. Gladys kennt die Zugfahrpläne und ist Nachbarn, Bekannten, den anderen Gemeindebewohnern als eine Frau in Erinnerung, die ihrem Schicksal trotzte und vor Freude und Ideen strotzte. 
Gladys Leben ist von Beginn an mit der Schiene verbunden. Als Tochter eines fahrenden Lehrers auf einem sogenannten „School Train“ wird sie auch in einem solchen geboren, verbringt eine behütete Kindheit und lernt im Zug auch ihren Ehemann kennen, der als Minenarbeiter viel zu früh bei einem Arbeitsunfall sein Leben verliert. Seither lebt sie allein mit ihrer psychisch kranken Tochter Lisana. Sie scheint „gebrochen von einem Leben, das sie beharrlich hätte beenden wollen.“ 
Sie ist auf dem Weg nach Metagama durch karge Landschaften und Torfmoore im sogenannten Buddcar“, wo sie auf die junge Janelle trifft. Das scheinbar friedliche Leben in der Natur bringt auch die Abgründe menschlicher Natur zutage wie die Geschichte mit jeder Station dieser Reise preisgibt. Nicht-Hinschauen kann dabei auch schon zur Tat werden. In Clove endet Gladys Reise und laufen die Erzählstränge zusammen, die ein junger Englischlehrer zusammenfügt und Gladys Geschichte erzählt. Als er von ihrer Geschichte und der Suche nach ihr in der Zeitung liest, reist er nach Clove, wo er auf Janelle trifft, mit deren Hilfe Gladys Abschied nehmen kann. 
Es ist ein großer, wunderbar feiner Roman, in dem das Interesse des Erzählers an der Geschichte dieser Frau, die eng verbunden ist mit einer Landschaft und einer Leidenschaft für das Leben auf der Schiene, wächst. 
Julie August
 
Saucier, Jocelyn - Was dir bleibt
Berlin: Insel 2020. 178 S. - fest geb. : € 22,70 (DR)
ISBN 978-3-458-17878-1

 

 

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