Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Jones, Dan - Spiel der Könige

Das Haus Plantagenet und der lange Kampf um Englands Thron
Nein! Nicht doch! Nicht schon wieder ein historischer Schinken mehr in den Buchläden! Noch dazu, sage und schreibe in einem Umfang von 686 Seiten englischer Frühgeschichte. Aber halt, ich finde, dass gerade in Zeiten berechnender Brexit-Eskapaden machtbesessener Politiker des Vereinigten Königreiches eine Auseinandersetzung mit dieser umfassenden Thematik nicht schadet. Diesem Anreiz wird der Autor mit diesem Werk mehr als gerecht! Dan Jones versteht es vortrefflich dunkle Historie ungemein aufhellend zu schildern und schafft es, den Leserinnen/Lesern trotz ungeheurer Faktendichte sowohl Information als auch Unterhaltung zu bieten. Obendrein meistert er gekonnt eine schwierige Gratwanderung zwischen dem historischem Roman und einem aussagekräftigen und seriösen Sachbuch. 
Im „Spiel der Könige“ geht es um die berühmt-berüchtigte Dynastie der Plantagenets. Als deren Namensgeber und Stammvater gilt Graf Gottfried V. von Anjou (gestorben 1151). Diesem wurde bereits zu Lebzeiten von damaligen Chronisten der Beiname „Plantagenet“ zugeschrieben, da er stets auf seinem Helm als Zier einen Ginsterzweig (lat.: planta genista; franz.: plante genêt) zu tragen pflegte. In der Folge zeichneten Intrigen, Machtspiele, Machtgelüste, Mordtaten und eine unbegrenzte Gier nach Macht und Reichtum die einzelnen Mitglieder dieser Dynastie aus, welche im Hochmittelalter volle 300 Jahre hindurch von einer Generation zur anderen, ausgehend von ihrer französischen Heimat, die britischen Inseln regierten. 
Auch die von ihnen geschaffene Magna Carta (1215 rangen rebellierende Adelige dem König in der „Magna Carta Liebertatum“ Zugeständnisse ab, die ihnen ein Widerstandsrecht gegen königliche Repressalien sicherten), eigentlich ein Friedensvertrag mit den Ständen, war ihren Machtspielen keinesfalls hinderlich. Allerdings entstand unter den Plantagenets im gesamten Reich ein verbindliches Recht (Common Law), welches von Richtern und nicht vom König gesetzt wurde und demnach bereits damals den Weg zur heutigen konstitutionellen Monarchie wies. 
Abschließend ist zu vermerken: Es gelingt diesem wirklich genialen Buch, welches sich ja über weite Strecken wie ein spannender Abenteuerroman liest, dabei aber stets wissenschaftlich korrekt bleibt und im Anhang umfangreiches und anschauliches Quellenmaterial (Karten, Stammtafeln etc.) aufweist, Begriffe, mit denen wir heutzutage immer wieder konfrontiert werden, uns aktuell näher zu bringen. Denken wir etwa dabei an den „Hosenband-Orden“, eine hohe Auszeichnung, welche 1348 vom englischen König Eduard III. (Orden des blauen Hosenbandes) gestiftet wurde und auch heute noch verliehen wird. Ja, da sei auch noch auf die im Buch ausführlich erwähnten „Rosenkriege“ („Wars of the Roses“) eingegangen. Diese blutigen Kriege wurden mit Unterbrechungen von 1455 bis 1485 zwischen den beiden rivalisierenden englischen Adelshäusern York und Lancaster ausgefochten. Beides verschiedene Zweige des Hauses Plantagenet, deren Wappen Rosen aufwies (eine rote Rose für Lancaster, eine weiße Rose für York). Rosenkriege fordern heutzutage nicht mehr Leib und Leben, aber – es handelt sich dabei ja um erbitterte Scheidungskriege – so Mancher zahlt sich dabei blutig. Ja, um bei den Rosenkriegen zu bleiben: Die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie „Game of Thrones“ bedient sich ebenfalls, auf Unterhaltungswert bedacht, der historisch verbürgten Rosenkriege im alten England. 
Adalbert Melichar
 
Jones, Dan - Spiel der Könige
Das Haus Plantagenet und der lange Kampf um Englands Thron. München: Beck 2020. 686 S. - fest geb. : € 30,80 (GE)
ISBN 978-3-406-75581-1
Aus dem Engl. von Heike Schlatterer.

 

 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur