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Bücherschau

Ohlsson, Kristina - Blutsfreunde

Thriller
Kristina Ohlsson hat als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien und bei der schwedischen Polizeibehörde gearbeitet. Sie versteht das Geschäft. Und der neueste Roman wird sich sicher auch in die Reihe ihrer Erfolge einreihen. Die Ausgangssituation ist ganz klar – oder doch nicht? Martin Brenner ist ein gutsituierter Anwalt in Stockholm und „lebt ein Leben, das der Perfektion gefährlich nahekam“. Sein Hauptwohnsitz ist eine schicke Villa am Stadtrand, die er mit seiner kleinen Nichte Belle (die Tochter seiner verunglückten Schwester) bewohnt. Er liebt Weine und Antiquitäten und ein bisschen noch immer seine Exfrau. Die „Risse“ in seiner heilen Welt beginnen mit einer Trauerfeier in Stockholm, die für einen älteren New Yorker Freund ausgerichtet wird. 
Dabei wird er von einem geheimnisvollen Mann namens Ortega angesprochen. Dieser behauptet, dass Henry ermordet worden sei: „Glauben sie nicht alles, was sie hören – keine der schlimmen Anschuldigungen, vor denen Henry flüchten musste, entsprach der Wahrheit“. „Flüchten, ermordet, Anschuldigungen“, was soll das heißen? Henry starb im Spital an einer bekannten Krankheit. Martin erbt unerwartet die Hälfte von Henrys Antiquitätengeschäft in Manhattan. Die anfängliche Freude darüber wird aber bald getrübt. Er entdeckt, dass unbekannte Personen um sein Haus schleichen und beginnt langsam, sich Gedanken zu machen. Noch kann alles Zufall sein. Aber dann ist da die mysteriöse Geschichte mit einem Paket, das er in New York-ausgerechnet im stillgelegten Hotel Waldorf Astoria abholen soll. Aber ein anderer Mann hat es schon geholt, und der verschwindet und taucht wenig später in Schweden als Leiche auf. Und im Paket ist nicht das Geschenk, das ursprünglich bestellt wurde, sondern ein anderes, teures Schachspiel mit einer verborgenen Botschaft. 
Wie passt das alles zusammen? Wie gehören die Menschen in seinem Umfeld in das Bild? Lucy, seine Exfrau, die heiraten möchte und mit dem Paket unwissentlich eine Lawine losgetreten hat. Die Leute im Antiquitätengeschäft sind suspekt. Und welche Rolle spielt der smarte, nette männliche Au Pair, der die kleine Nichte Martin Brenners betreut? Er wurde von Magda, der Witwe seines Freundes Henry, empfohlen. Auch nur ein Zufall? Gefährlich wird es für den Anwalt, als er einen Porzellanaffen, der in seinem Garten mit einer Hundeleine (!) aufgehängt wurde, findet. Und nicht lange danach ist eine tote Frau in seinem Garten. Eine Warnung? Aber wovor? Martin Brenner hat Angst – um sich und seine Nichte. Er versteht die Zusammenhänge nicht und warum gerade er sich mitten in diesem Chaos befindet. Aber er ist zu neugierig und macht weiter. Die Schlüsselkarte zu dem stillgelegten Hotel Waldorf-Astoria muss doch eine Funktion haben, aber welche? Der Anwalt hat noch Freunde bei der Polizei (und bei der Mafia), er kann daher diskret Erkundigungen einholen. Aber die Antworten werfen immer mehr Fragen auf. 
Die Geschichte wird immer komplizierter und immer spannender. Man muss aufmerksam lesen, um nicht den Faden zu verlieren. Man fiebert mit dem Protagonisten mit und stellt selber Überlegungen an, was da wohl vor sich geht. Ist es eine Verschwörung, eine Geheimdienstsache, geht es um viel Geld oder Drogen? Ist er zufällig in das Schlamassel geraten oder wurde er sorgfältig ausgewählt? Aber von wem und warum? Viele Puzzleteile ergeben langsam, aber sicher ein Bild. Aber kein schönes. Die Gegner sind gefährliche, verbissene und selbstherrliche Menschen, die für ihre „gute“ Sache vor Mord nicht zurückschrecken. Der Thriller ist spannend aufgebaut und wird detailreich erzählt. Es ist eine packende Geschichte, die einen nicht mehr loslässt, ein sehr guter Krimi. 
Renate Oppolzer
 
Ohlsson, Kristina - Blutsfreunde
Thriller. München: Limes 2020. 493 S. - kt. : € 15,50 (DR)
ISBN 978-3-8090-2730-0

 

 

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