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Bücherschau

Valeš, Vlasta - Der Schulverein Komenský

150 Jahre tschechisches Schulwesen in Wien
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte eine große Zuwanderung von Menschen aus den tschechischsprachigen Gebieten der Monarchie in die damalige Haupt- und Residenzstadt Wien. Ein tschechisches Schulwesen war daher für die Bewahrung der Sprache unverzichtbar geworden und deshalb wurde 1872 der Schulverein Komenský gegründet, der 1883 die erste Schule in Favoriten eröffnete. In der Folge entstanden weitere Schulen, die allesamt zu Zielscheiben im Nationalitätenkampf wurden. Die Behörden verweigerten die Zuerkennung des Öffentlichkeitsrechtes und die Schüler mussten anfänglich zu den Abschlussprüfungen nach Břeclav fahren. Nach Gründung der Ersten Republik verbesserten sich die rechtlichen Rahmenbedingungen, aber nun waren die Wiener Tschechen vom Mutterland abgeschnitten, was zu Rückwanderungen in die Tschechoslowakei, aber auch zu einer Verstärkung des Assimilationsprozesses in die deutschsprachige Umgebung führte. Nichtsdestotrotz wurden damals zusätzliche Schulgebäude für ein breit gefächertes Angebot vom Kindergarten bis zum Realgymnasium errichtet. Durch die Nazidiktatur wurde die Entwicklung gewaltsam unterbrochen, der Schulverein 1942 aufgelöst und sein Vermögen konfisziert. Viele Wiener Tschechen bezahlten ihren Widerstand mit dem Tod. Nach 1945 fand abermals eine Remigrationsbewegung in die ČSR statt. Und ab 1948 spaltete die dortige kommunistische Machtergreifung nicht nur die Wiener tschechische Kommunität, sondern hatte auch nachhaltige Auswirkungen auf das wieder erstandene tschechische Schulwesen, das durch Subventionen von tschechoslowakischen staatlichen Stellen in eine gewisse Form von Abhängigkeit geraten war und den Rückhalt durch jene Gruppen der Minderheit schwächte, die das KP-Regime ablehnten. Das Ende des Prager Frühlings 1968 und die Samtene Revolution 1989 führten zu einem erneuten Zuzug von Tschechen und Slowaken nach Wien. Zugleich kam es zu einem allmählichen Einigungsprozess in den Organisationen der Minderheit, was auch dem Schulverein Komenský zugute kam. Seit den 1990er Jahren wird auch Slowakisch als Unterrichtssprache angeboten. Nach einer wechselvollen Geschichte steht heute das bilinguale Schulwesen auf einer soliden Grundlage. In zwei Schulgebäuden am Sebastianplatz und in der Schützengasse können Kindergarten, Volksschule, Mittelschule und Gymnasium mit Optimismus in die Zukunft blicken.
Die Historikerin Vlasta Valeš hat mit einem hohen Maß an Sachkenntnis und Empathie einen zweisprachig gehaltenen, reichhaltig illustrierten Prachtband vorgelegt, der nicht nur der Schulgeschichte, sondern auch der Historie der Wiener Tschechen nachspürt und deren vielfältiges soziales und kulturelles Leben vorstellt. Eine Fülle von biographischen Porträts von herausragenden Repräsentanten der Organisationen der tschechischen Kommunität verleiht diesem Buch ebenso ein sehr menschliches Antlitz. Exemplare können über den Schulverein Komenský, Sebastianplatz 3, 1030 Wien (Tel. 069916868801 oder margita.jonas@komensky.at)  bezogen werden. 
Heimo Gruber
 
Valeš, Vlasta - Der Schulverein Komenský
150 Jahre tschechisches Schulwesen in Wien. Mit weiteren Beiträgen von Alexandra Blodigová und Jan Kahuda. Wien: Schulverein Komenský 2020. 360 S. : zahlr. Ill. - fest geb. : € 70,00 (GE)
ISBN 978-3-200-06909-1

 

 

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