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Bücherschau

Vuillard, Éric - 14. Juli

Stimmung und Atmosphäre am Beginn der Französischen Revolution
„Und die Nacht des 14. war wohl die unruhigste, die glücklichste, aber auch die qualvollste, die eine Stadt je erlebt hat.“ Die Rede ist vom 14. Juli 1789, den Sturm auf die Bastille, dem Ereignis, von dem aus die Französische Revolution ihren Gang nahm und das so prägend für die europäische Geschichte der Neuzeit ist. Éric Vuillard, Autor und Filmmacher, versucht in dem schmalen nun auf Deutsch vorliegenden Band die Stimmung und Atmosphäre dieses einschneidenden Großereignisses nachzuspüren und aus verschiedenen fiktionalen und realen Perspektiven ein facettenreiches Szenario zu entwerfen, wie es hätte sein können oder auch zu Teilen wohl auch gewesen sein kann. Der Schriftsteller hat bereits den Prix Goncourt, die wichtigste literarische Auszeichnung Frankreichs, für den Roman „Tagesordnung“ erhalten, worin er ein Treffen Hitlers ins Zentrum setzt, das zum „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland geführt hat. 
Historische Fakten und Fiktion faszinieren ihn als Autor und haben es zu seiner Spezialität werden lassen, wichtige geschichtliche Ereignisse neu zu erzählen. So gelingt es ihm, die gärende und fast schon siedende Stimmung in Paris dieses Sommers vor dem Sturm atmosphärisch zu verdichten. Die strukturellen Missstände, der zunehmende Hunger und die steigende Unzufriedenheit und klaffende Ungleichheit werden quer durch die Gesellschaft abgebildet und an Einzelschicksalen angedeutet und emotional aufgeladen dargestellt wie beispielswiese der Aufstieg des unbedeutenden Jean Rossignol zum General der Revolution. Vuillard kommt dabei sein Können als Filmemacher zugute, denn er beweist Gespür für Bildgestaltung und eindrückliche Szenen. Es gilt, neugierig auf seine nächsten Vorhaben zu blicken. 
Julie August
 
Vuillard, Éric - 14. Juli
Berlin: Matthes & Seitz 2020. 131 S. - fest geb. : € 18,50 (DR)
ISBN 978-3-95757-519-7

 

 

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