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Bücherschau

Baldwin, James - Giovannis Zimmer

Liebe abseits von Konventionen und Normen
„Also, was genau ist das mit der Zeit? Warum ist zu spät besser als zu früh? Dauernd sagen die Menschen wir müssen warten, wir müssen warten. Worauf warten Sie denn?“, fragt der Barmann Giovanni den Amerikaner David als dieser zum ersten Mal in einer Bar in Paris auf ihn trifft. Es nimmt ab diesem Moment der Begegnung eine Liebesgeschichte Fahrt auf, die aus der Perspektive Davids erzählt wird. 
James Baldwin hat diesen Roman in den 1950er Jahren geschrieben und der damals Mitte 20-Jährige hat seine ihn tief berührende prägende Begegnung mit dem Schweizer Lucien Happersberger verarbeitet, mit dem er zeitlebens eine dauerhafte Beziehung ersehnt hat. Er bildet in dieser Beziehung zwischen dem weißen Amerikaner David und seiner gleichgeschlechtlichen Beziehung zu Giovanni, die repressive Atmosphäre und das Klima seiner Zeit ab. Das Buch wurde trotz der Ablehnung und Kritik zu einem Kultbuch und Baldwin von zahlreichen politischen Bewegungen vereinnahmt und beansprucht. 
Der schwarze Schriftsteller James Baldwin, Ziehsohn eines Reverends, hat sich Zuschreibungen und Vereinnahmungen durch Bewegungen und Gruppierungen stets entzogen. Es ging ihm in seinen Schreiben immer um die Suche nach Wahrhaftigkeit in Beziehungen und seiner Auseinandersetzung mit seiner Sehnsucht nach uneingeschränkter Liebe abseits von Konventionen und Normen, die er in Lucien Happersberger erstmals erfahren hat. Baldwins Schreiben ist gleichzeitig tief in seiner Zeit verwurzelt und zeitlos zugleich in seinen Themen und Konflikten, die der Autor reflektiert und dabei stets nach einer Form von Selbsterkenntnis ringt. 
Julie August
 
Baldwin, James - Giovannis Zimmer
Roman. München: dtv 2020. 207 S. - fest geb. : € 20,60 (DR) 
ISBN 978-3-423-28217-8

 

 

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