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Bücherschau

Stöckel, Reinhard - Kupfersonne

Reise zu den Wurzeln seiner Familiengeschichte
„Die Dächer Tarragonas leuchten kupfern. Es wird nicht das Material sein, sondern das Licht. Es wechselt im Ton: von Kupfer zu Gold zu Bernstein. Das Insekt eingeschlossen, bin ich. Ich will raus ins Freie.“ Diese ersten Sätze des Prologs von Reinhard Stöckels Roman bilden gut das Konzept und die Komposition seines neuen Romans ab. Die Metaphorik von Licht und Metallen nutzt er, um die Wahrnehmung und die Reflexionsprozesse seines Erzählers darzustellen. 
Er schickt ihn auf eine Reise zu den Wurzeln seiner Familiengeschichte. Auf der Reise erhält er eine Ahnung von Liebe und auch, wie unerwiderte Liebe eine Familiengeschichte nicht nur in Zeiten des Krieges nachhaltig verändern und prägen kann. Die Atmosphäre entsteht durch Stöckels Hang zu Lichtverhältnissen und Stimmungen, die die Wahrnehmungen seines Erzählers und seine damit einhergehenden Reflexionsprozesse widerspiegeln, Reflexion von Innen und Außen sozusagen. 
Vom heutigen Spanien geht die Reise in einen fiktiven, aber allzu bekannten (ost)deutschen Ort Enzthal, dem Ort einer Kindheit, indem sich nicht nur der Nebel über die Dächer des Ortes legt, sondern auch über die nicht allzu ferne Kriegsvergangenheit. Stöckels umfangreicher Roman führt auch ins Spanien der 1970er Jahre und der Franco-Ära. Wie viel Magie und Verklärung liegt über der Vergangenheit und verhindert die Zukunft? Wie viel nüchterne Erhellung braucht die Vergangenheit um diese ruhen lassen zu können und die Gegenwart bewusster zu leben? 
Atmosphärisch dicht und von großer Ambition ist sein Romanprojekt geprägt, das zum Eintauchen einlädt und erst bei der genauen Auseinandersetzung seine komplexe, innere Ordnung preisgibt. 
Julie August
 
Stöckel, Reinhard - Kupfersonne 
Roman. Salzburg: Müry Salzmann 2020. 504 S. - fest geb. : € 29,00 (DR)
ISBN 978-3-9901420-1-1

 

 

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