Bücherschau

Kraus, Rudolf - Die letzte Frage der Menschheit

Stimmige, melancholische, sprachspielerische, anarchische Sprachblitze
„jeder dreizeiler / verbirgt eine ganze welt / du musst nur lesen“, verspricht der Autor am Schluss seiner Sammlung von Siebzehnsilber, die gleichzeitig eben auch Dreizeiler sind. Es sind, wie man es von Rudolf Kraus kennt,  stimmige, melancholische, sprachspielerische, anarchische Sprachblitze, die, bevor sie zu grüblerisch werden, schon wieder vorbei sind. Wohlbedachte Sticheleien ins Fleisch des Allzubehäbigen, des Gewohnt-Dahinlebens, des Hartnäckig-Ignoranten oder einfache Fragen: „ich frage mich die / letzte frage der menschheit / schein oder nichtschein“. Ein Gegengift hierzu: „ja die zärtlichkeit / ist mein poetischer grundsatz / selbst gegen spötter“. 
Rudolf Kraus führt einem in seinen Texten immer wieder vor, sich trotzdem nicht allzu wichtig zu nehmen. Auch wenn er lapidar konstatieren muss: „trist ist das leben / lauter wiederholungen / einzig der tod nicht“. 
Schön auch die kleine Hommage an Peter Handkes berühmtes Gedicht „Die Aufstellung des 1. FC Nürnberg vom 27.1.1968“. Bei Kraus ist es naturgemäß Rapid Wien: „herzog flögel krankl / weber grausam panenka / hofmann hof kienast“. 
Georg Pichler
 
Kraus, Rudolf - Die letzte Frage der Menschheit
Siebzehnsilber. Wien: Verlagshaus Hernals 2020. 100 S. - fest geb. : € 22,90 (DL)
ISBN 978-3-902975-73-7
 

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