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Bücherschau

Schwabeneder, Mathilde - Sie packen aus

Frauen im Kampf gegen die Mafia
„Auch jetzt bin ich noch überzeugt, dass meine Heimat der gefährlichste Ort ist, an dem ich je gearbeitet habe. Der Feind ist bekannt und heißt ’Ndrangheta“. Die Frontlinie ist aber nicht erkennbar, denn sie ist nicht greifbar. So kann es sein, dass sich eine absolut unverdächtige Person als Verbündete eines Clans erweist. Daher weiß man nie, mit wem man es tatsächlich zu tun hat“ (Alessia Candito, Investigativ-Journalistin). Um die tatsächliche Brisanz dieses aktuellen Buches auch nur halbwegs deuten zu können, lohnt es sich zum Thema Mafia grundlegende Informationen einzuholen. 
Ursprünglich galt diese Bezeichnung einem streng hierarchisch ausgerichteten Geheimbund, der seine Macht auf tätlicher Gewalt, skrupelloser Erpressung und unterschwelliger politischer Einflussnahme aufbaut und stets zu verbreitern und zu festigen versucht. Die Wurzeln dieser „Kraken“, wie man oft mafiöse Verbünde in ihrer Gesamtheit bezeichnet, fanden sich vor allem im Sizilien des 19.Jahrhunderts. Heute bezeichnet man die sizilianische Mafia im öffentlichen Diskurs als Cosa Nostra. In Italien werden zu dieser auch verbrecherische Organisationen wie die neapolitanische Camorra, die kalabrische ’Ndrangheta und die apulische Sacra Corona Unita gezählt. 
Soweit über deren Gewaltherrschaft und unlauteren finanziellen Einnahmequellen in der breiten Öffentlichkeit von Fall zu Fall verdeckte oder über Medien öffentlich gemachte Informationen durchsickern, erfährt man im Wesentlichen von einem organisierten Drogenhandel, Menschenhandel in Verbindung mit Prostitution, gezielten Manipulationen beim Glücksspiel, unreelle Einflussnahme bei staatlichen Stellen oder Großunternehmen, von Bestechungen und Bedrohungen politischer Entscheidungsträger, Schutzgelderpressung im Geschäftsbereich, weltweit organisierter Geldwäsche und vielem mehr. Die breite Öffentlichkeit stellt sich aber mehr und mehr, wo es möglich ist, dem Terror dieser kriminellen Netzwerke kampfbereit entgegen. Vor allem mutige Frauen aus Italien nahmen diesen schier hoffnungslosen Kampf risikobereit aber zum Teil erfolgreich auf. 
Da setzt Mathilde Schwabeneder-Hain mit ihrem Buch an. In neun Reportagen lässt die bekannte Journalistin, sie leitete bis Sommer 2020 als Korrespondentin die ORF-Außenstelle, die für die Berichterstattung aus Italien, dem Vatikan und Malta zuständig ist, folgende aktuelle Zeitzeuginnen zu Wort kommen: Piera Aiello (die Kronzeugin), Letizia Battaglia (die Mafia-Fotografin), Nunzia Brancati (die Camorra-Jägerin), Laura Garavini (die Senatorin), Alessia Candito (die investigative Journalistin), Caroline Girasole (die Bürgermeisterin), Claudia Moregola (die Staatsanwältin), Enza Rando (die Anwältin) und Rosalyn und Elsa (die Anonymen). Zustande gekommen ist dabei ein mehr als empfehlenswertes Zeitdokument. Hochaktuell, informativ, beeindruckend! 
Adalbert Melichar
 
Schwabeneder, Mathilde - Sie packen aus
Frauen im Kampf gegen die Mafia. Wien: Molden 2020. 190 S. - fest geb. : € 23,00 (GP)
ISBN 978-3-222-15056-2

 

 

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