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Bücherschau

Guérot, Ulrike - Nichts wird so bleiben, wie es war?

Europa und die Krise – eine Zeitreise
„Glauben wir wirklich, dass wir nach Corona mit derselben kognitiven Dissonanz durchkommen, uns also sehenden Auges immer weiter in den postdemokratischen Prozessen der EU festbeißen, die immer mehr hinter verschlossenen Türen verhandelt und mit Milliarden zugekleistert werden müssen, damit niemand etwas laut sagt?“ Was soll die EU also künftig wollen? 
Nun, Ulrike Guérot, eine der bekanntesten Europa-Spezialistinnen im deutschen Sprachraum (Politikwissenschaftlerin, Publizistin und unter anderem Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Univiersität Krems sowie Gründerin des European Democrazy Lab), legt uns mit diesem Buch eine Art Streitschrift vor, welche durchaus geeignet ist, Emotionen hochkochen zu lassen. Erklärte Gegner dieses Europa, so wie es jetzt um uns ist, werden Lesestoff zum Jubeln vorfinden, jene aber, die sich kritiklos mit rosaroter Brille als Europa-Enthusiasten bekennen, werden schäumen. Was will uns Ulrike Guérot aber tatsächlich vor Augen führen? 
In fünf Abschnitten (I. Wo kommen wir her? Das europäische Lebenselixier, II. Europa, das sind wir. Von der Staatenunion zur Bürgerunion?, III. Europa – smart, digital & nachhaltig?, IV. Ein europäischer Staat? Politik, Markt und Verfassung, V. Wo gehen wir hin?) stellt sie durchaus diskutable, zukunftsorientierte Grundsatzfragen in den Raum, wie etwa eine neu durchdachte europäische Union nach der derzeitigen weltweiten Krise aussehen und funktionieren könnte. Vor allem plädiert sie für die Schaffung einer gesamt-europäischen Demokratie, vertreten durch ein souveränes europäisches Parlament, eine allumfassende europäische Staatsbürgerschaft, eine gemeinsame europäische Außen- und Verteidigungspolitik u.v.m. 
Sie steht auch vehement dafür ein, dass eine Modernisierung der derzeitigen, zu einem nicht geringen Teil undemokratischen, institutionellen Entscheidungsstrukturen der Union unbedingt vonstatten gehen muss. Dies vor allem unter Einbindung aller europäischen Bürgerinnen und Bürger, denen ein umfassendes Mitspracherecht zu gewähren ist. Im Klartext: Weniger Kapital- und Marktorientierung, weniger Kommunikation mit unpersönlichen Hochglanzbroschüren, aber dafür ein Bekenntnis zu einem verstärkten, lebenswerten, sozialen und zukunftsträchtigen Miteinander. 
Adalbert Melichar 
 
Guérot, Ulrike - Nichts wird so bleiben, wie es war? 
Europa und die Krise – eine Zeitreise. Wien: Molden 2020. 118 S. - fest geb. : € 20,00 (GP)
ISBN 978-3-222-15062-3

 

 

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