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Bücherschau

El-Gawhary, Karim - Repression und Rebellion

Arabische Revolution - was nun?
„Vom Unsinn, die arabische Welt in Jahreszeiten oder mit Koran-Zitaten erklären zu wollen“, so treffend und präzise geht der Autor, ein allgemein anerkannter Nahostexperte, bereits in der Einleitung seines Buches auf die politisch überaus heikle Thematik ein. Karim El-Gawhary, seit dem Jahre 2004 Leiter des ORF-Nahostbüros in Kairo, wurde durch seine zahlreichen beeindruckenden TV-Auftritte während der sogenannten Arabellion 2011 zu einer zentralen Figur der aktuellen und seriösen Berichterstattung in Österreich. Demnach hebt sich auch sein Buch qualitativ über jegliche mediale Tagesberichterstattungen ab. 
Es ist vielleicht zum besseren Verständnis dieses höchst aktuellen Sachbuches unabdingbar, sich bereits zu Anbeginn mit dem durchgängigen Begriff „Arabellion“ auseinander zu setzen. Unter dieser Wortschöpfung wird allgemein der „Arabische Frühling“ bezeichnet. Darunter versteht sich eine Reihe vom Volk getragener Aufstände, Protestbewegungen und Revolutionen in der arabischen Welt gegen die Regierenden ihrer Länder und deren unlautere Machenschaften. Den zeitlichen Ausgang nahm diese Bewegung im Jahre 2010, wobei die Revolution in Tunesien als Auftakt gilt. Ihr folgten weitere Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas. 
In sachlichen und auch für politische Laien verständlichen Worten untermauert der Autor mit gut gewählten Beispielen und einem anschaulichen Zahlenmaterial die völlig verfahrene, verworrene und zum Teil hochexplosive Situation im Nahen Osten und in der arabischen Welt. Aufschlussreich analysiert El-Gawahry die ziemlich komplexen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Staaten, den vielfältigen Religionen und deren Splittergruppen und geht auf die nicht gerade glückliche Rolle Europas und der beiden anderen Großmächte USA und Russland ein. 
Gleichzeitig legt er großen Wert auf Anschaulichkeit des geschilderten Geschehens. So lässt er immer wieder Betroffene zu Wort kommen (Ein syrischer Student: „Ich lebe in einem Land, das mir nichts gibt und mir alles genommen hat“) oder führt die Leserin/den Leser direkt an Orte des Geschehens („Da war beispielsweise Adham. In seiner Leidenschaft die Straßen zu fegen, erinnerte er ein wenig an Beppo Straßenkehrer aus dem Kinderbuch „Momo“ ... Fast jeden Tag verließ Adham, ein Vater von sieben Kindern, um vier Uhr morgens sein Haus, um mit der Arbeit bis zum frühen Nachmittag fertig zu sein. Selbst während des 18-tägigen Aufstandes gegen Mubarak hatte Adham jeden Tag pflichtbewusst seine Straßen gefegt, die nur wenige hundert Meter vom Tahrir-Platz entfernt liegt.“) und macht sie so zu Teilhabern, die unvermittelt mit geballter Wucht einer bisher nicht gekannten Wirklichkeit ausgesetzt sind. 
Schonungslos deckt der Autor die Machenschaften korrupter und machtgieriger Eliten auf. Ebenso schonungslos lässt er uns von der beinahe ausweglosen und tristen Lebenssituation einer hoffnungslosen Jugend wissen. Die großen Verlierer des kurz aufgekommenen arabischen Frühlings! Eine hochexplosive Mischung, die nicht ewig zuwarten wird! Verstärkt wird diese Problematik noch durch die herrschende Corona-Pandemie, in der das „arabische Dreigespann“, wie der Autor es nennt: „Armut, Ungleichheit und Machtlosigkeit“ beinahe verheerend zum Ausdruck kommt. 
„Repression und Rebellion - Arabische Revolution - was nun?“ ist ein hoch aktuelles Buch, auf dem neuesten Stand, in dem selbst die kürzlich stattgefundene Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut mit all ihren furchtbaren Folgen thematisiert wird. 
Adalbert Melichar
 
El-Gawhary, Karim - Repression und Rebellion
Arabische Revolution - was nun? Wien: Kremayr & Scheriau 2020. 224 S. - fest geb. : € 24,00 (GP)
ISBN 978-3-218-01232-4

 

 

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