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Bücherschau

Roiss, Stephan - Triceratops

Ein Einzelgänger, der sich immer wieder außerhalb der Norm bewegt
Der Debütroman „Triceratops“ von Stephan Roiss war bereits auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und hat damit völlig zu Recht größere mediale Aufmerksamkeit erreicht. Der Roman handelt von einer zerrütteten Familie, erzählt von einem namenlosen Jungen, der von sich in der Wir-Form berichtet. 
Der Vater hat für jede Gelegenheit einen Bibelspruch parat, geht aber kaum bis gar nicht auf die Probleme in der Familie ein und flüchtet sich zusehends in die Obhut starker alkoholischer Getränke. Die Mutter ist psychisch labil, muss deshalb öfter in einer Klinik behandelt werden und die Schwester wandelt geisterhaft durch das Haus und ist noch zu jung, um auf den kleinen Bruder aufzupassen. Er wird daher immer wieder bei seiner Tante oder bei seiner Oma untergebracht. Bei der Großmutter, die einen kleinen Bauernhof hat, fühlt er sich am wohlsten, da sich die Oma um ihn kümmert. Zu Hause wird er gefordert, obwohl er noch ein Kind ist und lieber malen würde. 
Die Mutter klammert sich an ihn und auch für die Schwester ist er ein wichtiger Bezugspunkt. Doch das alles überfordert ihn und er erkrankt an einer schweren Hautkrankheit, die aber von den Eltern mehr oder weniger ignoriert wird. Er kratzt sich regelmäßig die Haut wund, weil er das Jucken nicht mehr aushält. Sein Weg ins Erwachsenenleben ist daher mehr als schwierig, er wird ein Einzelgänger, der sich immer wieder außerhalb der Norm bewegt. Als seine Schwester ein Kind bekommt und dieses nach wenigen Monaten offenbar tötet, erhält die Geschichte eine weitere unheilvolle Dramatik. 
Stephan Roiss setzt den Roman szenisch mit einer ausdrucksvollen und poetischen Sprache um. Faszinierend sind die starken Bilder, die dadurch erzeugt werden: „Träge krochen die Nebelschwaden in den Wald zurück. Wir schleuderten die Bowlingkegel, einen nach dem anderen, acht, sieben, sechs, in die Brennnesseln“ (S. 191). 
Rudolf Kraus
 
Roiss, Stephan - Triceratops
Roman. Wien: Kremayr & Scheriau 2020. 202 S. : Ill. - fest geb. : € 20,00 DR)
ISBN 978-3-218-01229-4

 

 

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