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Bücherschau

Trump, Mary L. - Zu viel und nie genug

Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf
Mary L. Trump ist die Nichte des derzeitigen 45. Präsidenten der USA. Die klinische Psychologin hat sich das Ziel gesetzt, mit diesem Buch der Öffentlichkeit das wahre Gesicht des Onkels zu zeigen, frei von allen Mythen, die der Präsident im Laufe seines Lebens rund um seine Persönlichkeit aufgebaut hat. Sie ist dazu prädestiniert wie kaum jemand anderer. Mary Trump hat als Kind einige Jahre mit Donald und seinen vier Geschwistern im Haus ihres Großvaters in New York gelebt. Der Großvater war ein Mensch, der sich um keinen anderen Wert kümmerte als um Geld. Der typisch amerikanische Kapitalist war Chef eines riesigen Immobilienimperiums, das er mit Fleiß und unerbittlicher Raffgier erwirtschaftet hatte. Er war ein Familientyrann, dessen Entscheidungen unumstößlich waren. Fred Trump war ein durch und durch gefühlloser Soziopath. Das Schicksal anderer Menschen kümmerte ihn nicht. Er hatte eine „emotionale Hornhaut“, wie die Autorin es formuliert. 
Die Bedürfnisse seiner Kinder und Enkelkinder nach Liebe, Geborgenheit und Verständnis für ihre Probleme lagen außerhalb seines erzieherischen Einfühlungsvermögens. Auch Donalds Eltern standen als Erzieher nicht zur Verfügung – die Mutter starb früh, der Vater war ein gewiefter Geschäftsmann, der dem jungen Donald alles durchgehen ließ. Donald entwickelte nach großväterlichem Vorbild bleibende Charakterschwächen und Persönlichkeitsdefizite, die ihn aufgrund seiner Position zum „gefährlichsten Mann der Welt“ machten. Die Familie des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat die „America first-Twitterei“ des egomanischen Psychopathen im Weißen Haus bereits zu spüren bekommen und schaut sorgenvoll auf die Entscheidung, die im November 2020 fallen wird. 
Die Autorin blickt düster in die Zukunft. Falls ihr ungeliebter Onkel wiedergewählt wird, wäre das das Ende der liberalen Demokratie in den USA, orakelt sie. Aus dem Oval Office in Washington sind bereits unmissverständliche Töne zu hören. Wenn die Republikaner eine Niederlage einfahren, könne das nur durch Wahlbetrug geschehen. Er werde sich gegen eine demokratische Übernahme der Macht zu wehren wissen. Ein Trump gibt sich nicht kampflos geschlagen. Die Welt hat das Menetekel hoffentlich gehört. 
Mary L. Trump hat ein gut lesbares Buch geschrieben, das unverblümt den Alltag einer der einflussreichsten Familien der Welt bis in den letzten Winkel der Seele schildert. Sie hat eine Familienchronik und keine Biografie geschrieben, die in Amerika auf großes Interesse gestoßen ist. In Europa, schätze ich, wird das aus guten Gründen wohl nicht der Fall sein. Übrigens: Das Cover mit dem frisch und fröhlichen Jugendgesicht Trumps passt überhaupt nicht zum Inhalt des Buches. Und: Um das Familiengeflecht des Trump-Clans zu entwirren, wäre ein übersichtlicher Stammbaum dringend nötig (gewesen). 
Friedrich Weissensteiner
 
Trump, Mary L. - Zu viel und nie genug
Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf. München: Heyne 2020. 286 S. - fest geb. : € 22,70 (BI)
ISBN 978-3-453-21815-4

 

 

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