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Bücherschau

Schüssel, Wolfgang - Was. Mut. Macht.

Bemerkungen und Bemerkenswertes
Wolfgang Schüssel ist einer der gescheitesten ÖVP-Politiker der Zweiten Republik. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 7. Juni 1945 geboren, wuchs der Bub in bescheidenen Verhältnissen ohne Vater und Geschwister auf. Der Vater hatte sich „bald nach der Hochzeit davongemacht“. 
Die Erziehung des Buben lag in der schweren Nachkriegszeit in den Händen von zwei Frauen: der geliebten Mutter, die aufopfernd für ihn sorgte und der er in diesem Buch einen berührenden Nachruf widmet und der Schwester der Mutter, Therese, Oberstudienrätin Dr. Therese Schüssel. Tante Risa legte den Grundstein für sein vom Christentum geprägtes Weltbild. Sie setzte durch, dass der aus einer geschiedenen Ehe stammende Wolfgang in das angesehene Wiener Schottengymnasium der Benediktiner aufgenommen wurde. 
Nach der Matura studierte Wolfgang Schüssel an der Wiener Universität Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften. Anschließend promovierte er zum Dr. jur. Im Jahre 1968 begann seine politische Karriere innerhalb der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Schüssel war in den verschiedensten Funktionen tätig: als Abgeordneter zum Nationalrat, als Bundesparteiobmann, als Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten, als Außenminister, als Vizekanzler und schließlich als Bundeskanzler (2000-2007). 
Seine Koalition mit der FPÖ markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der österreichischen Innenpolitik und stieß auf heftigen Widerstand in seinem Heimatland, sowie in Teilen des Auslandes (Sanktionen!). Schüssel hielt allen Angriffen und Anfeindungen stand und zog seine Reformpolitik mit entschlossener Beharrlichkeit durch. In den vielen Jahrzehnten seines öffentlichen Wirkens erweiterte er seinen Bildungshorizont und vertiefte sein beachtliches Wissen auf vielen Gebieten. Wolfgang Schüssel ist eine starke, vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Er ist umfassend gebildet, vielseitig, scharfsinnig, ideenreich, resolut, aber auch gefinkelt und nicht nur beim Fußballspielen trickreich. 
Schüssels Buch ist, wie man vielleicht vermuten könnte, keine Autobiografie, sondern ein kaleidoskopartiges, bunt zusammengefügtes Lebensbild. Es gewährt dem Leser überraschenderweise einen Einblick in seine Privatsphäre, die der Ex-Kanzler bislang streng gehütet hat. Wir erfahren, dass er ein passionierter Cellist, ein passabler Klavierspieler und überhaupt ein enthusiastischer Musikliebhaber ist. Der Possibilist, als den er sich selbst bezeichnet, besucht gerne Konzerte und Ausstellungen. Er ist mit zahlreichen Kulturschaffenden befreundet und selbst ein begabter Zeichner und Karikaturist. 
In den 200 ein bis maximal vier Seiten umfassenden Skizzen berichtet der Autor über die zahlreichen Gespräche, die er mit den Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Kultur verschiedenster Staaten geführt hat. Thematisch waren die Themen breit gestreut und teilweise tiefgründig und ideenreich. So plädierte der Bundeskanzler etwa für die Einrichtung einer globalen Wasseragentur mit dem Sitz in Wien, um die existierende Wasserknappheit auf der Welt friedlich zu lösen. Eine utopisch anmutende Idee zur Lösung eines der dringendsten Probleme im 21. Jahrhundert. In diesen Gesprächen erweist sich der Ex-Kanzler ausdrücklich als überzeugter Parlamentarier und Europäer. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. 
Friedrich Weissensteiner
 
Schüssel, Wolfgang - Was. Mut. Macht.
Bemerkungen und Bemerkenswertes. Salzburg: Ecowin 2020. 420 S. fest geb. : € 26,00 (GP)
ISBN 978-3-7110-0270-9

 

 

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