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Bücherschau

Olmi, Véronique - Bakhita

Roman um die Abgründe des Sklavenhandels
Der Roman, der einer wahren Begebenheit entspricht, orientiert sich an der historisch verbürgten Biografie der später Josefine Bakhita genannten Frau, die 1869 in einem Dorf in der Region Darfur, im Sudan, geboren wurde. Sie wird als kleines Mädchen von skrupellosen und gewalttätigen Sklavenhändlern geraubt und, den damaligen Sitten entsprechend, mehrfach weiterverkauft. 
Über viele Jahre erduldet das geraubte Mädchen unvorstellbare körperliche und seelische Gewalt, ehe sie der italienische Konsul aus Khartum nach Italien mitnimmt. Dort ist sie zwar keine Sklavin mehr, aber aufgrund ihrer schwarzen Hautfarbe wird sie zum Teil gefürchtet, gemieden, dämonisiert und, der damaligen Zeit entsprechend, bestaunt wie ein exotisches Tier. Bakhita findet aber auch Freunde und Helfer. Nach höchster Fürsprache tritt sie am 7. Dezember 1893 in die Ordensgemeinschaft der Canossa-Schwestern ein und legt dort am 8. Dezember 1895 ihre Gelübde ab. Dabei nimmt sie den Ordensnamen Josefina an. Aufgrund ihrer Lebenshaltung, ihrer menschlichen und fürsorglichen Art und ihrer straffen Disziplin wird sie mehr und mehr geachtet und geliebt. Man spricht von ihr als „madre moretta“, als „kaffeebraune Nonne“. So erlangt sie Berühmtheit! Wegen ihres selbstlosen und unermüdlichen Einsatzes für Kinder, Kranke und Geschundene wird sie nach ihrem Tod 1947 vom Papst erst selig-, dann heiliggesprochen. 
Véronique Olmi zeichnet in diesem Buch eindringlich, tiefgreifend und teilweise ungemein berührend den Lebensweg und das Schicksal ihrer Protagonistin nach. Oft sogar allzu sehr in Details ausholend, die nur schwer zu ertragen sind. Aber es geht eben um die Abgründe des Sklavenhandels und die Demütigungen wehrloser Menschen. Da hat eine diffuse Weichzeichnung keinen rechten Platz. Umsichtig baut Olmi auch Phasen der italienischen Zeitgeschichte und Zeitgeschehen ein. Den Machtantritt Mussolinis und die Rassenideologie der Faschisten sowie Italiens koloniale Expansion in Eritrea und Äthiopien. Allesamt keine Ruhmesblätter! Véronique Olmi versteht es sehr wohl, ihre Leserinnen/Leser emotional mitzureißen! Es wird einem wirklich schwer gemacht, das Buch zeitweilig aus der Hand zu legen. 
Adalbert Melichar
 
Olmi, Véronique - Bakhita
Roman. Hamburg: Hoffmann und Campe 2019. 414 S. - fest geb. € 25,70 (DR)
ISBN 978-3-455-00601-8
Aus dem Franz. von Claudia Steinitz

 

 

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